Borna-Virus: Mehr Menschen tödlich infiziert als bisher angenommen

Wissenschaftler konnten das Virus in Proben nachweisen

Der Erreger sei in Bayern in aufbewahrten Hirnproben verstorbener Patienten nachgewiesen worden, berichten Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und der Universität Regensburg im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases". Bei sieben dieser neun Menschen wurde das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) nachgewiesen.

Doch das Borna-Virus ist neuen Hinweisen zufolge auch verantwortlich für Todesfälle in Deutschland. Unter anderem hatten sich im Jahr 2016 drei Menschen über eine Organspende mit der tödlichen Krankheit angesteckt, weil sie eine Niere beziehungsweise die Leber eines Infizierten aus Bayern bekommen hatten.

Auch alle weiteren Todesfälle kamen laut Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, ausschließlich in Bayern vor. Der jüngste Fall wurde Ende 2019 bekannt: Ein elfjähriges Mädchen war an einer Borna-Infektion gestorben, wie web.de berichtete. Der Hauptüberträger des Virus scheint die zweifarbige, weißzahnige Spitzmaus zu sein, welche beispielsweise in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommt. Die Viren werden nach bisherigen Erkenntnissen von der Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) übertragen. Diese scheidet den Virus mittels ihres Urins, Kots oder Speichels aus. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder auch von Pferd zu Mensch sei auf natürlichem Wege aber ausgeschlossen, erklärte Beer.

Das bayerische Gesundheitsministerium richtet eine zentrale Stelle zur Erforschung sogenannter Borna-Viren (BoDV-1) ein. Sowohl bei Nutztieren als auch beim Menschen verläuft die Infektion wahrscheinlich sehr oft tödlich.

Wie genau sich die Patienten in Bayern, die unabhängig von einer Organspende erkrankten, mit dem Virus infizierten, ist nach Angaben Beers unklar.

Die Forschenden sind der Meinung, dass Patientinnen und Patienten häufiger auf das Borna-Virus getestet werden sollten, wenn sie von einer sich schnell entwickelnden und nicht erklärbaren Störung des Nervensystems betroffen sind und die betroffene Person möglicherweise mit Spitzmäusen in Kontakt gekommen ist. Das sei aber nur eine Hypothese. Die meisten Betroffenen hatten in einem ländlich geprägten Umfeld gelebt, zum Teil in der Landwirtschaft gearbeitet oder auch viel Freizeit in der Natur verbracht.

Geringes Infektionsrisiko - Experten: keine Spitzmäuse anfassen!

Beer und seine Kollegen rufen Ärzte in Borna-Gebieten dazu auf, Patienten mit schwerer Gehirnentzündung, bei denen die Krankheitsursache unbekannt ist, auf das Virus testen zu lassen. Eine Meldepflicht gibt es für die Krankheit bisher nicht. Grund zu Panik bestehe nicht, betonte er. "Das Risiko für den Einzelnen - auch in Bayern - ist sehr gering".

Auch das Robert Koch-Institut bezeichnet die Infektionswahrscheinlichkeit als gering. Es folgen neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen, im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen oft Koma und Tod.

Vor zwei Jahren war BoDV-1 erstmals als Auslöser von schweren Enzephalitiden beim Menschen identifiziert worden. Die Wissenschaftler gehen daher von unabhängigen Übertragungen von Tieren auf den Menschen aus.

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