Studie sieht massiven Umsatzsteuerbetrug in EU

Andreas Rentz  Getty Images

Die offiziellen Handelsdaten aus der EU deuten einer Studie der Wirtschaftsinstitute IfW und Ifo auf einen Umsatzsteuerbetrug in großem Stil hin. Bei einer korrekten Erfassung aller Im- und Exporte innerhalb der EU müsste die Bilanz selbstverständlich ausgeglichen sein. Messfehler alleine können diese systematische Abweichung nicht erklären. Die Institute vermuten vielmehr einen massiven Umsatzsteuerbetrug, der die EU-Staaten geschätzte 30 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr koste. "Werden diese Umsätze aber gar nicht im Ausland erzielt, sondern im Inland, fehlen sie in der Importstatistik des angeblichen Handelspartners und bleiben damit unversteuert", so Felbermayr und Braml. Die beiden Experten empfehlen einen digitalen, automatisierten Datenabgleich von Importen und Exporten innerhalb der EU, um Bilanzfehler künftig zu verringern und Betrug zu erschweren.

Auch die Bilanzqualität der einzelnen Staaten unterscheide sich teilweise massiv. Die zuverlässigsten Daten liefern den Forschern zufolge die Niederlande, Deutschland liegt im vorderen Mittelfeld. Zypern, Irland, Luxemburg und Schweden weisen demnach die größten Abweichungen auf.

Im weltweiten Vergleich ist das Phänomen des Überschusses in der durch freien Handel und offene Grenzen geprägten EU besonders verbreitet. Geht man auch bei Länderpaaren, die Großbritannien umfassen, davon aus, dass die Bilanzabweichungen auf Steuerbetrug zurückzuführen sind, wurden in der EU 64 Milliarden Euro Steuern hinterzogen.

"Einen Fehler in der Zahlungsbilanz dieser Größenordnung darf die EU nicht auf die leichte Schulter nehmen", mahnen Felbermayr und Braml. Schließlich gibt es derzeit immer wieder Diskussionen unter Staatsoberhäuptern, die sich an der Höhe von Handelsbilanzüberschüssen entzünden. So hat US-Präsident Donald Trump beispielsweise wiederholt den deutschen Handelsüberschuss mit den USA kritisiert. In den vergangenen zwölf Jahren summierte sich die Lücke auf insgesamt 2,9 Billionen Euro.

Besonders ausgeprägt seien die Unterschiede zwischen Nachbarstaaten und Mitgliedsländern mit größeren Unterschieden in den Mehrwertsteuersätzen, so das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Münchner Ifo-Institut weiter.

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