Steven Mnuchin: US-Finanzminister macht Boeing-Krise für gebremstes Wachstum verantwortlich

Boeing parkt einen Teil der
737 Maschinen auf einem Flughafen im US-Bundesstaat Washington

Interne E-Mails zwischen Boeing-Mitarbeitern zeigen, dass der Konzern beim Training der Piloten für das umstrittene Flugzeugs 737 Max wohl Geld sparen wollte.

"Gott hat mir noch immer nicht für das vergeben, was ich im vergangenen Jahr vertuscht habe", hieß es von einem weiteren Mitarbeiter in einer Nachricht aus dem Jahr 2018 in Bezug auf den Umgang mit der FAA. Acht Monate vor dem ersten Crash einer Boeing 737 MAX habe ein Mitarbeiter in einem Chat seinen Kollegen gefragt, ob dieser seine Familie in ein MAX-Flugzeug setzen würde und fügte selbst hinzu: "Ich würde es nicht tun".

Nach zwei Abstürzen ist das Vertrauen in die Boeing-Maschine 737 Max erschüttert.

Die Krise des US-Flugzeugbauers Boeing bremst das Wirtschaftswachstum in den USA.

Boeing hatte im vergangenen Monat angekündigt, die Produktion des Krisenjets 737 Max angesichts der hohen Ungewissheit um eine Wiederzulassung ab Januar vorübergehend auszusetzen. Im August 2015 schrieb ein Angestellter über die Behörde: "Ich weiß, aber das ist es, was diese Regulierungsbehörden bekommen, wenn sie versuchen, sich in den Weg zu stellen".

Die Nachrichten belegen vor allem, dass Boeing viele Anstrengungen unternommen hat, um teures und zeitaufwendiges Simulator-Training zu einer Voraussetzung bei der 737 Max zu machen. In anderen E-Mails und Instant Messages sprachen Mitarbeiter über ihre Frustration mit der Unternehmenskultur und beklagten sich über den Drang, die billigsten Lieferanten zu finden, sowie über "unmögliche Zeitpläne". "Ich weiss nicht, wie man das wieder hinkriegen soll. das ist systemisch. Es ist Tatsache, dass wir ein Führungsteam haben, das sehr wenig vom Geschäft versteht und uns doch zu bestimmten Zielen steuert", schrieb ein Mitarbeiter im Juni 2018. Das berichten die US-Tageszeitung "New York Times" und die Nachrichtenagentur Reuters, die nach eigenen Angaben Einsicht in hunderte interne E-Mails erhalten haben.

Boeing sagte am Donnerstag in einer Pressemitteilung, dass es die Dokumente der FAA und dem Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Technologie sowie dem Ausschuss für Verkehr und Infrastruktur des US-Repräsentantenhauses im Dezember aus Gründen der Transparenz zur Verfügung gestellt habe. "Sie zeichnen ein zutiefst beunruhigendes Bild davon, wie weit Boeing offenbar bereit war zu gehen, um sich der Kontrolle der Aufsichtsbehörden, der Flugbesatzungen und der fliegenden Öffentlichkeit zu entziehen". Die Aussagen darin "spiegeln nicht das Unternehmen wider, das wir sind und das wir sein müssen, und sie sind völlig unakzeptabel", betonte der Flugzeugbauer.

Die FAA erklärte, "Ton und Inhalt der Formulierungen in den Dokumenten seien enttäuschend".

Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

Zu diesem Schaden kommen Schadensersatzforderungen von Fluggesellschaften hinzu, die wegen des 737-Max-Flugverbots zahlreiche Flüge streichen und Ersatzmaschinen besorgen mussten.

Kurz vor Weihnachten trat Dennis Muilenburg nach heftiger Kritik als amtierender Präsident von Boeing zurück. Nun soll der bisherige Boeing-Verwaltungsratsvorsitzende David Calhoun die Affäre 737 Max aufklären.

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