Organspende: Wie sich die Bremer Abgeordneten im Bundestag entscheiden

Organspende: Wie sich die Bremer Abgeordneten im Bundestag entscheiden

"Ich finde, wir sind es den Kranken schuldig, dass sich jeder persönlich und verbindlich mit dem Thema Organspende auseinandersetzt". Über einige wichtige Punkte haben wir mit einem Experten des Fürther Klinikums und mit dem Ethik-Professor Peter Dabrock gesprochen. Demnach soll grundsätzlich jeder als Spender gelten, außer man widerspricht. Die staatlich verordnete "Indifferenz" hat Folgen: Das Thema Organspende wird aufgeschoben und verdrängt, in der Familie ebenso wie in den Kliniken. Dies sei die Grundlage von Solidarität und auch das vom Grundgesetz geprägte Menschenbild, "die Würde nicht zu verletzen über den Tod hinaus". Es sieht mehr Geld sowie mehr Kompetenzen und Freiräume für Transplantationsbeauftragte der Kliniken vor.

Wie oft werden Organspenden abgelehnt? Organe dürfen einem Toten entnommen werden, wenn keine Erklärung vorliegt, mit der der Verstorbene ausdrücklich widersprochen hat. Vier Ablehnungen habe es bei den letzten fünf Fällen gegeben. In der Schweiz warteten Ende 2019 über 1400 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan.

Beim Gegenvorschlag des Bundesrates kann einer Organentnahme widersprochen werden, wenn die Hinterbliebenen Kenntnis davon haben, dass ihre Angehörigen eine Organspende ablehnen. Deshalb lohnt es sich, ausgerechnet mit diesen beiden zu reden. Für die Menschen im Land, weil sie die Organspende zur Normalität mache, aber auch für die anderen europäischen Länder. Bei der Abstimmung gibt es keine sonst üblichen Fraktionsvorgaben. Im Schnitt wurden von jedem Spender 3,3 Organe entnommen und transplantiert.

Über welche Gesetzesentwürfe wird abgestimmt?

Die Widerspruchslösung, die eine Gruppe von Politikern um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitsexperten und -Fraktionsvize Karl Lauterbach fraktionsübergreifend vorgeschlagen hat, wäre für Deutschland absolutes Neuland.

Dagegen stellt sich eine andere Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock.

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche befürwortet die Organspende, aber beide sprechen sich vor der heutigen Abstimmung deutlich gegen dieses sogenannte Widerspruchsmodell aus.

Zudem könnte dieses Modell auch für die Angehörigen problematisch werden. Er denkt dabei etwa an eine Mutter, die ihren 30-jährigen Sohn verlor und eine Organspende ablehnte.

"Wenn Sie heute nach Österreich in den Urlaub fahren und Ihnen ein Tod passieren würde, würden Sie automatisch in Österreich auch Organspender sein, es sei denn, Sie hätten ausdrücklich erklärt, Sie wollen es nicht". Angehörige zur Lüge greifen? Er verweist auf die Zahlen der DSO. Die Widerspruchslösung hätte 2018 theoretisch nur den "Zugriff" auf 217 zusätzliche Organspender ermöglicht, sagt er.

Was sagen Befürworter der Widerspruchslösung? Das Problem liegt jedoch nicht an der potenziellen Spendebereitschaft der Deutschen, immerhin 85 Prozent sprechen sich pro Organspende aus. "Die Würde des Menschen ist auch im Sterben und sogar über den Tod hinaus unantastbar", sagte er in einem Videostatement. Von 157 Verstorbenen konnten 2019 Organe transplantiert werden.

Fey und Dabrock sehen auf anderer Ebene Handlungsbedarf: Die Strukturen des Transplantationssystems müssten verbessert werden, sagen beide.

Ärzte, Pfleger und Schwestern brauchen vor allem mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. So wie in Spanien, dem Land mit der weltweit höchsten Spenderrate. Und dort, gibt er zu bedenken, sind Organspenden auch nach dem Herztod möglich. Zumindest die Diskussion darüber müsste man hierzulande anfangen, meint er. Vollständig überzeugt ist er jedoch noch nicht: "Keine der zur Abstimmung stehenden Varianten ist ideal, jede hat ihre innewohnenden Probleme, doch letztlich scheint mir die Widerspruchslösung unterm Strich besser geeignet, um tatsächlich und rechtssicher die Zahl erfolgreich durchführbarer Organspenden zu erhöhen". "Aber das gelingt nur, wenn man Vertrauen aufbaut".

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