Coronavirus: Zahl der Infektionen in China sprunghaft gestiegen

Neues Krankenhaus in Betrieb

Am Samstagnachmittag landete ein Flugzeug der Bundeswehr, das Deutsche und andere Staatsbürger aus der vom Coronavirus betroffenen chinesischen Stadt Wuhan evakuiert hatte, in Frankfurt. Die Mediziner haben das Virus 2019-nCoV auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen hatten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete. An der Forschung waren die Universität Wuhan und das Virus-Institut der chinesischen Akademie der Wissenschaften in der schwer betroffenen Provinzhauptstadt von Hubei beteiligt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gesagt, es seien alle symptomfrei in den Flieger eingestiegen. So wurden die beiden nach medizinischen Untersuchungen mit 113 weiteren Passagieren zu einer Kaserne nach Germersheim (Rheinland-Pfalz) gebracht. Da die Erkrankung bis zu zwei Wochen nach der Infektion ausbrechen kann, ist die Quarantäne nötig. Nachdem Schnelltests die Infektion zeigten, kamen die beiden in die Frankfurter Uniklinik. Professor Rene Gottschalk vom Frankfurter Gesundheitsamt ergänzte: "Ich habe vor der Grippe deutlich mehr Angst als vor diesem Virus". Nun sollen rund 100 Deutsche am Wochenende aus China ausgeflogen werden - unter ihnen eine Studentin aus Rostock. Wenzhou liegt mehr als 800 Kilometer östlich vom Ursprungsort der Epidemie in Wuhan. Allein von dort wurden binnen eines Tages 45 weitere Todesfälle gemeldet. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen kletterte demnach so stark wie noch nie innerhalb eines Tages - um 2580 auf 14.380 Fälle. Das Nachbarland Chinas hat acht bestätigte Infektionen. Zwei der zurückgekehrten Passagiere aus China haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Angesteckt haben sich sieben Angestellte des Autozulieferers und das Kind eines Infizierten. Nach Auskunft des bayerischen Gesundheitsministeriums sind alle PatientInnen stabil. In Deutschland ist das Virus bei zehn Menschen nachgewiesen worden. Ein weiterer infizierter Deutscher wurde auf der Kanareninsel La Gomera registriert. Er sei mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen, teilte die spanische Regierung mit.

In China selbst stieg die Zahl der Menschen, die an den Folgen der Coronavirus-Infektion gestorben sind, nach Angaben der Behörden auf 304.

Auch immer mehr andere Länder holen ihre Staatsbürger heim.

Hygiene

In der Maschine, die von Frankreich gechartert worden war, befanden sich gut 250 Passagiere, davon rund 64 Franzosen. Schon während des Flugs wurden die elf Personen an Bord isoliert. China hat in einem beispiellosen Versuch, das neue Corona-Virus einzudämmen, das sich auf andere Teile der Welt ausgebreitet hat, mindestens drei große Städte abgeriegelt.

China hat seinen Staatsbürgern von Reisen ins Ausland abgeraten und bekämpft die Ausbreitung im Land mit radikalen Maßnahmen. 15 von 24 Millionen Schülern gehen damit nicht zum Unterricht. Jede Familie könne ein Mitglied auswählen, das alle zwei Tage zum Einkaufen könne, teilte die Stadtregierung am Sonntag mit. "Andere sollten grundsätzlich nicht das Haus verlassen". Wuhan gilt als Ausgangsort der Epidemie. Der öffentliche Nahverkehr wurde stillgelegt, ebenso der Überlandverkehr mit Bussen in andere Regionen. Die chinesische Zentralbank kündigte an, der Wirtschaft des Landes wegen der Folgen des Virus' umgerechnet 156 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Das solle die Funktionalität des chinesischen Geldmarktes und Bankensystems sicherstellen. Am Sonntagnachmittag traten in den USA neue verschärfte Reisebeschränkungen in Kraft.

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