Corona-Krise: Lufthansa schaltet auf Krisenmodus

Eingemottete Lufthansa Jets in Frankfurt am Main

"Die Verbreitung des Coronavirus hat die gesamte Weltwirtschaft und auch unser Unternehmen in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt", sagte Konzernchef Carsten Spohr. Was normalerweise angesichts Abertausender Verbindungen ein Ding der Unmöglichkeit ist, ist für ihn jetzt ein Leichtes: "30 Kurzstreckenflüge täglich aus Frankfurt, jeweils zehn aus München und Zürich, dazu dreimal wöchentlich Flüge zu wichtigen Langstreckenzielen". Das entspräche ungefähr "dem Flugplan von 1955". Luftfahrt-Analyst Daniel Röska von Bernstein Research lobte angesichts der Einsparungen Spohrs Krisenmanagement: "Dies sollte den Investoren die Gewissheit geben, dass das Management die Entwicklungen voll im Griff hat". Die Lufthansa stellt Jets, die sie nicht mehr braucht, kurzerhand dort ab oder auch auf dem Berliner Flughafen Schönefeld. Es fehlt an Abstellplätzen überall. Er gelange zunehmend zu der Erkenntnis, "dass die Welt in dieser Branche nach Corona eine andere sein wird", sagte der Manager bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. "Sie wird sich nachhaltig und strukturell verändern".

Der Konzern hat früh massiv reagiert, um genügend Liquidität möglichst lange zu halten. "Wir wissen nur, dass wir es länger durchhalten als andere", sagte er selbstbewusst. "Durch die Reduzierung der Flugtätigkeit fallen sofort 60 Prozent der Kosten weg", so der Schwede. Lufthansa-Chef Spohr wollte sich nicht auf einen Zeitraum festlegen. Denn: die Lufthansa habe rund fünf Milliarden Euro an liquiden Mitteln, 86 % der Flotte stünden im Eigentum der Lufthansa, davon wieder sind 90 % unbelastet, und der Verschuldungsgrad der Fluglinie sei vergleichsweise niedrig. Wenn das nicht reichen würde, könnte sie die Flotte beleihen.

Spohr hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass die Lufthansa mit den Regierungen von Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz über mögliche Unterstützung spricht. Es sei auch nicht geplant, Lufthansa wieder teilweise zu verstaatlichen.

Einen Ausblick auf das Jahr 2020 wagt die Lufthansa nicht.

Am Markt wurden gleich mehrere Gründe für die positive Kursentwicklung genannt: Es stütze, dass die Fluggesellschaft derzeit keine Staatshilfen benötigt und sich in der Krise wacker schlägt. Welche Bestellungen wie verschoben werden, welche sogar storniert werden, wird derzeit verhandelt. Allerdings ist das nicht einfach, denn Airbus und Boeing müssen gerade einen unvorstellbaren Ansturm an Anfragen von Fluggesellschaften und Leasingunternehmen aus aller Welt bewältigen, die alle das Gleiche wollen - Lieferungen verschieben.

In den kommenden Tagen stehen innerhalb der Gruppe drei Flugbetriebe vollständig still - Austrian, Brussels Airlines und die italienische Regionallinie Air Dolomiti. Laut Spohr könnten noch mehr folgen. Spohr zufolge wird der Konzern danach aber "nicht in den Normalzustand zurückfinden".

Wie lange die Lufthansa das aushalten kann? Es sei Ziel des Unternehmens, möglichst alle 140.000 Beschäftigten auch nach der Krise weiterzubeschäftigen. Dazu zählen neben der Kurzarbeit Teilzeitmodelle, unbezahlter Urlaub und Überstundenabbau. Auch Lufthansa wird nach Einschätzung von Vorstandschef Carsten Spohr nur in verkleinerter Form aus der Coronakrise hervorgehen. "Wir haben in jeder denkbaren Variante zu viele Mitarbeiter an Bord". In Deutschland sei bereits Kurzarbeit für 31 000 Kabinen-Mitarbeiter der Lufthansa AG beantragt. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Der Vorstand verzichtet zudem auf 20 Prozent seiner Grundvergütung sowie vorerst auch auf die Auszahlung der Boni für das vergangene Jahr. Angesichts der massiven Auswirkungen rücke die Veröffentlichung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, in dem die Lufthansa nach einem Gewinn von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr unter dem Strich ein Konzernergebnis von 1,2 Milliarden Euro verzeichnete, "leider in den Hintergrund". Auch das Kurzstreckenprogramm wird nochmals reduziert, der Flughafen München wird nur noch von Lufthansa Cityline angeflogen, wie der der Konzern bei der Vorlage seines Geschäftsberichtes mitteilte. Thiele ist unter anderem Mehrheitseigner des Automobilzulieferers Knorr-Bremse und des Bahntechnik-Spezialisten Vossloh.

Related:

Comments

Latest news

Rückruf: Kaufland ruft Thüringer Knackwurst zurück
Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, wurden in einer Packung Listerien festgestellt. Wegen Bakterienbelastung hat die Ilmenauer Wurst GmbH Knackwurst zurückgerufen.

Bei Corona-Infektion: WHO zieht Warnung vor Ibuprofen zurück
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat der WHO-Sprecher Christian Lindmeier sich zu dem Thema am Dienstag (17. Besonders Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen und Ältere vertragen das Medikament nicht immer gut.

Schlag den Star: Abgesagt - Cathy Hummels mit schrecklicher Meldung
Die Samstagabendshow wird nicht wie angekündigt stattfinden können, da sich Duellantin Cathy Hummels in Quarantäne befindet. Um wen es sich dabei handelt, verrät sie allerdings nicht. "Ich wünsche aber den Girls morgen eine tolle Show".

Italien am Boden: Über 600 Tote an einem Tag
Jedoch dürfte die Dunkelziffer nicht erfasster Menschen, die den Sars-CoV-2-Erreger in sich tragen, Experten zufolge hoch sein. Italiens katholische Bischöfe haben für diesen Donnerstagabend zu einem Rosenkranzgebet gegen das Coronavirus aufgerufen.

Ausgangssperre in Bayern verhängt: "Passt auf Euch auf"
Die Feuerwehr informierte die Bürger am Nachmittag mittels Lautsprecherdurchsagen über die Maßnahme und verteilte Flugblätter. Eine Bitte um offizielle Stellungnahme vom Mittwochmittag ließ das Gesundheitsministerium bis zum Abend unbeantwortet.

Other news