Galeria Karstadt Kaufhof will ohne Staatskredite auskommen - vorerst

Kaufhof-Filiale

Galeria Karstadt Kaufhof hat am Mittwoch ebenso wie die Tochter Karstadt Sports ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt.

Branchenexperten fürchten nun, dass der Schutzschirm es dem Unternehmen ermöglicht, sehr viel brachialer als bislang zu sanieren.

Das Schutzschirmverfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe direkt Insolvenz anmelden müssen.

Das Unternehmen hatte ebenso wie die Tochter Karstadt Sports am Vortag ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt, nachdem die Umsätze in der Coronakrise weggebrochen waren. Die Umsätze brachen ein - pro Woche um 80 Millionen Euro. Bis Ende April werde sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren. Dem Antrag von Galeria ist bereits vom Amtsgericht Essen stattgegeben worden. Der größte Teil der Mitarbeiter wurde in Kurzarbeit geschickt. Außerdem stoppte der Konzern die Mietzahlungen für alle Warenhäuser, Sporthäuser, Reisebüros und Logistikimmobilien. Den Vermietern teilte der Konzern mit, dass es "keine andere Wahl" gebe.

Zugleich bemühte sich der Konzern um staatliche Hilfsgelder. Doch eine Einigung mit den Banken erwies sich als schwieriger als erhofft. Finanzvorstand Miguel Müllenbach klagte, der Prozess, in dem Geschäftsbanken eine entscheidende Rolle spielen, sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit. Der Ausgang sei letztlich ungewiss. Nun habe man nicht mehr länger warten können.

Die wegen der Coronakrise angeordneten Ladenschließungen stellen zurzeit viele deutsche Handelsketten vor große Probleme, weil plötzlich der Umsatz fehlt, die Kosten aber weiterlaufen. Tatsächlich verhandelte Karstadt Kaufhof über einen zinsgünstigen Kredit der staatlichen KfW im Umfang von 800 Millionen Euro. Denn die Krise trifft das Unternehmen mitten im Restrukturierungsprozess.

Die Warenhäuser kämpfen schon seit Jahren mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Der Online-Handel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut. Der seit langem angeschlagene Handelskonzern hatte im vergangenen Jahr im Zuge der Zusammenlegung von Kaufhof und Karstadt tausende Stellen gestrichen und sich erst vor kurzem mit den Betriebsräten auf einen Sozialplan geeinigt.

Das Unternehmen habe auf wichtigen Feldern wie der Digitalisierung, der Modernisierung der Logistik und der Neuausrichtung der Sortimente enorme Fortschritte gemacht und es sei dank der finanziellen Beiträge des Gesellschafters de facto schuldenfrei gewesen.

Die Lage für Karstadt hat sich zwischenzeitlich verbessert, aber nach der Übernahme von Galeria Kaufhof trübten sich die Perspektiven wieder ein, weil die Essener beim Ex-Konkurrenten aus Köln großen Sanierungsbedarf sahen. Die Beschäftigten in den Kaufhäusern hätten nun einen stabilen Arbeitgeber.

Die Geschäftsführung werde das Schutzschirmverfahren nutzen, um die Restrukturierung fortzusetzen und das Unternehmen zukunftsfähig neu aufzustellen.

Der Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof, René Benko, hatte in dieser Woche zur Unterstützung des Unternehmens noch einmal weitere 140 Millionen Euro überwiesen.

In einer Sitzung des Aufsichtsrates habe Benko angekündigt, am Fortbestand des Unternehmens festzuhalten: Der Investor sei auch bereit, in Zukunft weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, hieß es in Berichten der deutschen Zeitungen "Capital" und "Manager Magazin" am Donnerstagabend. "Die Handelsunternehmen, die wie Karstadt und Kaufhof schon vor der Corona-Krise in Schieflage waren, sind vor allem jetzt akut gefährdet", sagt der Mönchengladbacher Handelsexperte Gerrit Heinemann.

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