Corona-Experten: Virus könnte auch das Nervensystem schädigen | BR24

Neurologische Symptome- Studie Coronavirus könnte auch das Nervensystem schädigen. Die elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Coronavirus SARS-CoV-2

Aufgrund der Studie aus Wuhan wird nun diskutiert, ob Atemstillstand auch Resultat neurologischer Schäden sein könnte - beispielsweise bei einer Entzündung des Hirnstamms, wo auch die Steuerung für das Herz-Kreislauf-System und für die Atemwege sitzt.

Wie die Medizinerinnen und Mediziner im Fachblatt "JAMA Neurology" berichten, zeigte ein gutes Drittel der von ihnen untersuchten 214 Personen Anzeichen dafür, dass das Virus das Nervensystem geschädigt hatte. Zu den häufigsten Symptomen gehörten demnach Schwindel und Kopfschmerzen sowie Riech- und Geschmacksstörungen.

Auch die aktuelle Studie aus Wuhan stützt sich lediglich auf die Auswertung der entsprechenden Patientenakten, Laborbefunde und radiologischen Untersuchungen für die 214 Studienteilnehmer mit einer nachgewiesenen Covid-19-Erkrankung. Dies unterscheide sich deutlich von den neurologischen Manifestationen bei den Sars-Infektionen 2002/2003, die ebenfalls von einem Coronavirus ausgelöst wurden. Aber auch Sehstörungen und Nervenschmerzen traten bei einigen Covid-Patienten in Wuhan auf, wie Mao und seine Kollegen berichten. Bei Patienten mit COVID-19 wurden bisher keine Viren im Nervensystem nachgewiesen. Zudem kam es bei zwölf Patienten (5,6 Prozent) zu Geschmacksstörungen und bei elf Patienten (5,1 Prozent) zu Störungen des Geruchssinns.

Am häufigsten beobachteten die Mediziner Schwindel (36 Patienten, 16,8 Prozent) und Kopfschmerzen (28 Patienten, 13,1 Prozent). Die Patienten waren im Durchschnitt 52,7 Jahre alt. Ob dies allerdings allgemeine Entzündungsanzeichen sind oder konkrete Folgen des Virenbefalles ließe sich noch nicht feststellen.

"Dennoch sollten wir bei Patienten mit Covid-19 solche neurologischen Manifestationen genau überwachen, denn gerade bei Fällen mit schweren Verläufen könnten sie zum Tod der Patienten beigetragen haben", sagen die Wissenschaftler. "So wurden SARS-Nukleinsäuren in der Hirnflüssigkeit und auch im Hirngewebe von Patienten detektiert".

Noch ist unklar, auf welchem Wege SARS-CoV-2 die neurologischen Symptome auslöst - ob auf direktem Wege durch Befall von Nervenzellen oder indirekt durch Entzündungsreaktionen oder andere körpereigene Reaktionen auf die Infektion. Allerdings wisse man, dass auch Zellen des Nervensystems und der Muskeln ACE2-Rezeptoren tragen, so die Forscher.

Tatsächlich ist von Sars und auch Mers - ebenfalls eine auf einen Coronavirus zurückgehende Erkrankung - bekannt, dass sie Schädigungen des Nervensystems bewirken können.

Eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 kann sich neuesten Erkenntnissen zufolge nicht nur mit Fieber, Husten und Atembeschwerden äußern, sondern auch neurologische Symptome verursachen. "Das kann sonst zu Fehldiagnosen führen und die Chance vereiteln, eine Coronavirus-Infektion rechtzeitig zu behandeln und weitere Übertragungen zu verhindern".

Noch stehe man bei der Erfassung und Erforschung der neurologischen Auswirkungen von Covid-19 erst am Anfang, kommentiert Andrew Josephson von University of California in San Francisco in einem begleitenden Editorial. "Es ist klar, dass diese kleine Studie nicht das gesamte Spektrum der neurologischen Folgen von Covid-19 reflektiert - wir müssen noch viel lernen, indem wir neurologische Tests bei größeren Patientengruppen durchführen", so der Neurologe. "Aber schon dieser erste Blick in die neurologischen Manifestationen platziert die Neurologen an der Front der Pandemie".

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