Drosten gegen Kekulé - so hart zoffen sich die Top-Virologen

Christian Drosten ist Direktor am Institut für Virologie der Charité Berlin

Selbst angebliche Kritiker stellen sich als Befürworter des Virologen heraus.

Die einen verehren ihn, andere schicken ihm Morddrohungen per Post: Kaum eine Person polarisiert derzeit so sehr wie Christian Drosten, Virologe der Berliner Charité und einer der Top-Berater der Bundesregierung in der Corona-Krise. Gelegentlich kritisierte er die Berichterstattung der deutschen Presselandschaft im Zusammenhang mit dem Coronavirus*.

Drosten schrieb als Reaktion auf einen Gastbeitrag Kekulés auf Twitter, dieser mache Stimmung. Vorausgegangen war eine ungewöhnliche Anfrage eines Redakteurs. In der Wissenschaftsgesellschaft spiele er "keine Rolle". Auch Virologen-Kollege Alexander Kekulé kritisierte die Ergebnisse von Drosten und legt nun in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am Freitag nach. Bei der Beurteilung der Ansteckungsgefahr für Kinder müssten die gleichen Annahmen wie für Erwachsene zugrunde gelegt werden. Am Ergebnis der Studie, dass Kinder das Coronavirus ähnlich verbreiten, ändere dies aber nichts. "Wir wissen jetzt noch einmal, dass es Kinder gibt mit hohen Viruskonzentrationen", sagt Kekulé.

Der Virologe Professor Alexander Kekulé (61) kritisiert in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel" die Studie des Virologischen Instituts der Berliner Charité unter der Leitung von Professor Christian Drosten (48). Er habe "Besseres zu tun", als innerhalb von einer Stunde Stellung zu nehmen. Der Wissenschaftler kenne die Daten nicht und zitiere falsch.

Letztlich stünden Drosten und er genauso wie jene Statistiker, die kritische Anmerkungen zur Studie der Charité veröffentlicht haben, "in einem Team, nämlich im Team Wissenschaft", sagte der Leiter der Heinsberg-Studie, die selbst öffentlich stark in die Kritik geraten war. Außerdem erwähnte die Zeitung, dass sich der Virologe nicht auf die Anfrage äußern wolle. Die Forscher berichteten in ihrem Papier, dass sich die Viruslast in den Atemwegen nicht zwischen den Altersgruppen unterscheide.

In dem Artikel werden sowohl der Wirtschaftswissenschaftler Rothe als auch Liebl zitiert. In einer ersten Veröffentlichung beschreiben sie, dass symptomatische Kinder aller Altersstufen eine vergleichbare Virusmenge wie Erwachsene tragen und sie innerhalb des frühen Stadiums der Krankheit "infektiöses Virus ausstoßen".

Sogar Politiker sprangen dem Virologen zur Seite und unterstützten ihn.

Allerdings wies Drosten im Podcast vom 30. April bereits auf mögliche Schwächen der Studie hin: "Das ist sicherlich nicht die normale Art von Studie, die man machen würde, um die Frage nach der Übertragung von und durch Kinder zu beantworten". Auch die Grünen-Politikerin Renate Künast kommentierte Drostens Beitrag mit einem Herzen sowie einem hochgestreckten Daumen. Demnach sind die jüngsten Publikationen, die Kekulé als Autor oder Co-Autoren anführen, aus dem Jahr 2017, es geht unter anderem um das Zika-Virus und Konsequenzen aus der Ebola-Epidemie. Anlass ist eine Rechercheanfrage zu einer Studie des Virologen und seinen Kollegen zu Viruslasten. Kurze Zeit später löschte Drosten den Tweet und veröffentlichte ihn neu, diesmal ohne persönliche Daten.

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