Wirecard: Gnadenfrist bei den Banken | BR24

Markus Braun Vorstandsvorsitzender von Wirecard

Die für Wirecard tätigen Bilanzprüfer bezweifeln jedoch mittlerweile, dass diese 1,9 Milliarden Euro tatsächlich existieren.

Markus Braun sei heute im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat der Wirecard AG mit sofortiger Wirkung als Mitglied des Vorstands zurückgetreten, teilte das Unternehmen mit. Der Interimsnachfolger für Markus Braun steht schon fest. "Diese Zukunft möchte ich nicht belasten", so der scheidende Manager. "Mit meiner Entscheidung respektiere ich die Tatsache, dass die Verantwortung für alle geschäftlichen Transaktionen beim Vorstandschef liegt".

"Das ist ein rabenschwarzer Tag", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Anlegergemeinschaft DSW. Auch die Fondsgesellschaft Deka forderte schon seit Längerem Brauns Abgang. Der neue Chef James Freis ist erst seit gestern im Vorstand.

Zuvor hatten sich die Indizien für einen Betrugsfall von großem Ausmaß um den Dax-Konzern weiter verdichtet. Die Konten würden von zwei asiatischen Banken geführt, die beide über ein Investmentgrade-Rating verfügten.

Die Summe entspricht laut Unternehmen in etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme und war von Tochtergesellschaften als Garantie für das Risikomanagement von Händlern hinterlegt worden, für die Wirecard Zahlungen abwickelt. Am Freitagmorgen war Wirecard für Rückfragen zunächst nicht zu erreichen. "Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden".

Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses hatte Wirecard mehrfach verschoben, am Donnerstag sollte es dann endlich soweit sein. Das Unternehmen ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner Financial Times dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf. Alle Vorwürfe wies Braun kategorisch zurück. Nachdem der Konzern die Abschlüsse der Jahre 2016 bis 2018 bereits einer Sonderprüfung durch das Prüfunternehmen KPMG unterzogen hatte, schauten die regulären Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) nun die 2019er-Zahlen besonders gründlich an.

Der Aktienkurs von Wirecard brach ein
Der Aktienkurs von Wirecard brach ein

Getrieben von Pleiteängsten setzte sich der rasante Verfall der Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse fort. Gestern vorbörslich noch bei 109 Euro notiert, fiel der Aktienkurs des noch im DAX-notierten Unternehmens bis auf 19,26 Euro zurück. In der Vergangenheit habe EY Wirecard auf gleicher Informationsbasis das Testat ausgestellt. Der Umsatz legte um 37,5 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Darin sagte Braun, sein Unternehmen sei womöglich das Opfer eines Betrugs. Ihm zufolge ist aber noch unklar, "ob betrügerische Vorgänge zum Nachteil von Wirecard vorliegen".

Klar ist nur: Es droht noch mehr Chaos bis zur Existenzgefährdung. Durch das fehlende Testat kann Wirecard nun nicht nur weiterhin keinen Jahresabschluss für 2019 vorlegen, wodurch nun zwei Banken ihre Kredite über insgesamt zwei Milliarden Euro fällig stellen könnten. Und zwar in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Eine rasche Einigung mit den kreditgebenden Banken oder zumindest ein Aufschub haben deshalb für Wirecard höchste Priorität. Kurzfristig könne auch der Worst Case einer Zahlungsunfähigkeit nicht ausgeschlossen werden, wenn die Banken ihre Außenstände einforderten.

Sowohl die Finanzaufsicht Bafin als auch die Münchner Staatsanwaltschaft ermitteln bereits in dem Fall. "Selbstverständlich fließt der aktuelle Sachverhalt in unsere noch laufende Marktmanipulationsuntersuchung ein", sagte eine Sprecherin der Behörde.

Auch Aktionäre wollen das Desaster nicht auf sich sitzen lassen: Immer mehr Anleger stehen in den Startlöchern für Klagen gegen Wirecard.

Schließlich droht Wirecard der Rauswurf aus dem Dax. Dass es zu dieser Vorlage kommt, gilt als unwahrscheinlich.

Related:

Comments

Latest news

"Der Schatten des Windes": Bestseller-Autor Carlos Ruiz Zafón ist tot
Er schrieb schon als Kind Geschichten, arbeitete anfangs als Werbetexter und später jahrelang als Drehbuchautor in den USA. Zafón habe zwei Jahre lang gegen den Krebs gekämpft, berichtete die Zeitung " La Vanguardia ".

Oliver Pocher freut sich auf sein fünftes Kind — Instagram
So kommentierte Sänger Pietro Lombardo beispielsweise mehrere Herz-Emojis. "Herzlichen Glückwunsch. Gemeinsam mit Ex-Frau Alessandra Meyer-Wölden (37) hat er eine Tochter und Zwillingssöhne.

Politik - Lobbycontrol fordert schärfere Regeln für Politiker
Der Landes-CDU fehlt nach dem überraschenden Rücktritt des Landesvorsitzenden Vincent Kokert seit März eine gewählte Parteispitze. Amthor bekam gemäß einer internen Aufstellung mindestens 2817 Aktienoptionen an der Firma und bekleidet einen Direktorenposten.

Harry und Meghan: "Archewell" von Behörden nicht genehmigt
Wie das britische Boulevardblatt "The Sun" berichtet , wurde die Marke von den US-Behörden nicht eingetragen. Erneuter Rückschlag für die geplante "Archewell"-Organisation von Prinz Harry und Herzogin Meghan ".

Lemmy: Biopic über Motörhead-Legende Lemmy Kilmister geplant
Das Biopic über die verstorbene Rocklegende soll " Lemmy " heißen und kommendes Jahr in Produktion gehen. Zu sehen soll der Film auf dem Filmfestival in Cannes sein.

Other news