Bayer verkündet Einigung mit Glyphosat-Klägern

Bayer erringt wichtigen Etappensieg im Streit um Glyphosat

Es gleicht einem Befreiungsschlag: Der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat sich im Rechtskonflikt mit US-Klägern wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt.

Um die aktuellen Glyphosat-Verfahren beizulegen, zahlt Bayer 8,8 bis 9,6 Milliarden Dollar - dies deckt sowohl bereits unterzeichnete Vereinbarungen ab als auch solche, die noch verhandelt werden. Bayer begrüßte indes, dass diese "Entscheidung anstelle von Jury-Verfahren wieder in die Hände sachkundiger Wissenschaftler gegeben" wird. In der Summe enthalten sei eine Pauschale, mit der Ansprüche abgedeckt werden sollen, die noch nicht beigelegt sind sowie 1,25 Milliarden Dollar (1,1 Mrd Euro), um eine separate Vereinbarung für potenzielle künftige Klagen zu ermöglichen. In jedem dieser Verfahren hat der Leverkusener Konzern Berufung gegen das Urteil eingelegt und ist gewillt die Instanzen zu durchlaufen: "Der weitere Prozessverlauf ist für das Unternehmen wichtig, weil die Berufungsverfahren rechtlich eine Orientierung für mögliche künftige Verfahren geben werden", begründete Bayer die Entscheidung.

Der Schritt sei kein Schuldeingeständnis, sondern die vernünftigste Lösung für das Unternehmen, sagte Konzernchef Werner Baumann in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Abend. Ein Konzernsprecher wollte jedoch den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren. Dollar. Damit seien etwa drei Viertel der eingereichten und drohenden Klagen vom Tisch, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Bis zu 280 Millionen Dollar soll im Konflikt mit Klägern rund um den Schadstoff PCB bereitgestellt werden. Hierbei geht es um mit Chemikalien verseuchte Gewässer.

Bayer hatte sich die Glyphosat-Probleme mit der über 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Monsanto ins Haus geholt.

Die Klagen stützen sich wesentlich auf eine Einschätzung der WHO-Krebsforschungsagentur IARC, die Glyphosat 2015 - im Gegensatz zu anderen Behörden - als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen eingestuft hatte. Die Leverkusener wiesen die Vorwürfe stets zurück und bekamen dabei zuletzt nochmals Rückendeckung von der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat bei vorschriftsmäßigem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko einstuft, berichtete dazu am Mittwochabend auch die Tagesschau. Die anstehenden Berufungsprozesse in den USA, in denen anders als bislang keine Geschworenen, sondern Berufsrichter geurteilt hätten, sollen trotz des Vergleichs weiterlaufen.

Die Glyphosat-Klagewelle hatte Bayer an der Börse massiv unter Druck gesetzt. "Ich bin aber sehr erleichtert, dass wir diese Phase der Unsicherheit nun hinter uns lassen können".

Finanziell ist Bayer laut der Tagesschau gerüstet für einen Vergleich. "Die Vereinbarungen wurden von Vorstand und Aufsichtsrat der Bayer AG unter Mitwirkung des eigens dafür eingerichteten Ausschusses zum Glyphosat-Rechtskomplex einstimmig genehmigt", erklärte der Chemiekonzern. Eine Stellungnahme von Kaliforniens Generalstaatsanwaltschaft, die Bayer beziehungsweise Monsanto sowie den anderen Unternehmen bei dem Rechtsstreit gegenüberstand, lag zunächst nicht vor.

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