Nach Bilanzskandal: Wirecard meldet Insolvenz an

Bild zu Börse Frankfurt- Wirecard-Aktien

München.Milliarden, die es offenbar nur auf dem Papier gibt und ein kurzzeitig festgenommener Chef: Mitten im Bilanzskandal hat der Zahlungsdienstleister Wirecard Insolvenz angemeldet - eine Katastrophe für die 5800 Mitarbeiter und die Anteilseigner. Damit verzeichnet sie den größten Tagesverlust eines Mitgliedes aus der ersten Börsenliga. "FT"-Artikeln zu außergewöhnlichen Kursstürzen der Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse gekommen war, hatten die deutsche Finanzaufsicht BaFin und die Münchner Staatsanwaltschaft Untersuchungen eingeleitet, ob Kursmanipulationen von Börsenspekulanten dahinter steckten". Das Geldhaus umwirbt seit Jahresbeginn mit einer Banking-App gezielt Privatkunden.

Die Gläubigerbanken hatten das Recht, Kredite über 2 Milliarden Euro zu kündigen, wenn das Unternehmen nicht bis zum vergangenen Freitag eine testierte Bilanz für das vergangene Jahr vorlegen könne. Angeblich bediente er damit Bankkredite. Hintergrund ist ein mutmaßlicher Betrugsskandal um Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt im Fall Wirecard wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Marktmanipulation. Nach den Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste der frühere Wirecard-Vorstand Jan Marsalek am Dienstag in das südostasiatische Land ein und am Mittwoch über den Flughafen Cebu weiter nach China. Schillernde Firmen mit charismatischen Chefs, die Anleger erst in ihren Bann zogen und dann in den Abgrund. Nach SAP hätte sich der Leitindex mit einem weiteren deutschen Techunternehmen von Weltrang schmücken können. Denn die Geschichte vom erfolgreichen Fintech aus Deutschland erwies sich als Illusion. Das Unternehmen will wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden, wie der Vorstand am Donnerstag in einer kurzen Ad-Hoc-Mitteilung ankündigte. Zu Hochzeiten kostete die Aktie 200 Euro, kurz vor dem Insolvenzantrag waren es nur noch zehn Euro.

"Im Rahmen der Abschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2019 hat EY entdeckt, dass gefälschte Saldenbestätigungen und weitere gefälschte Unterlagen für die Treuhandkonten vorgelegt wurden". Deren Probleme waren mit dem Erscheinen kritischer Berichte in der Financial Times Mitte 2019 öffentlich geworden. Doch inzwischen stehen auch die Aufseher und Prüfer in der Kritik. "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert", sagte Hufeld. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) stellte eine schärfere Regulierung der Branche in Aussicht. "Ein solcher Skandal wie bei Wirecard muss ein Weckruf sein, dass wir mehr Aufsicht über und Kontrolle für die Finanzmärkte brauchen als wir sie heute haben", sagte er in Berlin. Der CDU-Finanzpolitiker Matthias Hauer wiederum forderte, die Rolle des Finanzministeriums zu hinterfragen, dem die Bafin unterstellt ist. "Lücken und Schwächen im Aufsichtssystem" müssten geschlossen werden, so Hauer. Er hat bereits Fehler seiner Behörde eingeräumt. Die Opposition im Bundestag wiederum schießt sich auf die Regierung ein. Ausgenommen bleiben soll die Wirecard Bank, diese wird laut Wirecard mit Einverständnis der Finanzaufsicht Bafin finanziell und organisatorisch von der Muttergesellschaft abgekoppelt. Derweil stehen auch viele Anleger vor einem Scherbenhaufen. Ob sich diese Hoffnungen der Investoren erfüllen werden, bleibt aber abzuwarten.

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