Werbeboykott gegen Facebook weitet sich aus

Facebook-Chef Zuckerberg will einlenken

Das soziale Netzwerk steht wegen seines legeren Umgangs mit Hassbeiträgen in der Kritik.

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. Das Kalkül: Der Werbeboykott soll die Plattformen zu entschlossenerem Handeln im Kampf gegen Hasskommentare, Propaganda, Spam und Fake News drängen. "Wir erwarten auch mehr Verantwortlichkeit und mehr Transparenz von unseren Social-Media-Partnern", betonte er. Es gebe bei den neuen Maßnahmen "keine Ausnahmen für Politiker", erklärte Zuckerberg. Facebook-Chef Mark Zuckerberg (36) reagierte am Freitag und kündigte in einem ausführlichen Post Maßnahmen an.

Das US-Unternehmen PepsiCo hat sich dem Boykott von Facebook angeschlossen und wird laut Medien nicht mehr in sozialen Netzwerken werben. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden - Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

Zuvor forderten die Nationale Vereinigung zur Förderung farbiger Menschen (NAACP), die Civil Rights Group Color of Change, die Anti-Defamation League (ADL) der USA und andere Menschenrechtsverteidiger die Unternehmen auf, im Juli keine Werbungen mehr auf Facebook zu schalten, um gegen das Fehlen von Regulierung solcher Contents zu protestieren. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen.

Auch Hershey, einer der weltweit führenden Schokoladenproduzenten, bestätigte der Zeitung "USA Today" am Freitag, sich dem Boykottaufruf anzuschließen und im Juli keine Anzeigen zu schalten. Er kündigte an, künftig stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen, Falschmeldungen unmittelbar vor der US-Präsidentschaftswahl zu löschen sowie die Standards für Werbung zu erhöhen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist dafür bekannt, dass er sich soweit es geht aus den Inhalten seiner Plattform raushält - ihm geht es vor allem um die Wirtschaftlichkeit des Konzerns. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach der Mitteilung des Konsumgüterkonzerns stark unter Druck.

Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Twitter unterzog Äußerungen des Präsidenten zudem einem Faktencheck. Zudem soll Facebook Kontakt mit Werbekunden aufgenommen haben, um weiteren Schaden durch den Boykottaufruf abzuwenden. Unilever zieht sich gleich bis Jahresende zurück - und neben Facebook auch von Instagram und Twitter. Unter dem Hashtag #StopHateForProfit haben sich viele namhafte - und vor allem finanzstarke - Unternehmen und Konzerne zusammengetan, um Facebook unter Zugzwang zu setzen. "Trotz wiederholter Zusicherungen von Facebook, Massnahmen zu ergreifen, haben wir keine bedeutsamen Veränderungen gesehen". Zudem wolle das Unternehmen seine Ausgaben für Facebook und die Tochter Instagram für den Rest des Jahres um ein Drittel kürzen. Unilever schloss sich damit einem Boykott anderer Firmen - wie beispielsweise dem amerikanischen Mobilfunkbetreiber Verizon - an.

In bestimmten Fällen will Facebook künftig außerdem Botschaften von Politikern markieren, wenn sie gegen die Regeln des Netzwerkes verstoßen. Erst vor Kurzem hatte Zuckerberg noch seine Position unterstrichen, Trumps häufig umstrittene Beiträge nicht zu beschränken.

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