Neuer Virus mit Pandemie-Potenzial in China entdeckt

Schweine als Zwischenwirte im Prozess der Virenerzeugung bei einer Grippe-Pandemie

Dies hat jedoch bisher zu keiner neuen gefährlichen Grippewelle geführt.

Carl Bergstrom, Biologe an der Universität Washington stellte auf Twitter klar, dass durch das neue Virus keine unmittelbare Pandemie-Gefahr ausgehe.

Dennoch warnen die Autoren in ihrer Studie, die sie am 29. Juni 2020 in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht haben, dass "die systematische Beobachtung von Influenza-Viren in Schweinen essentiell für die Frühwarnung und Vorbereitung für die nächste potentielle Pandemie" sei. Auch sollen die Gesundheitsbehörden die in der Schweinezucht und Fleischindustrie tätigen Personen verstärkt darauf untersuchen.

G4 stamme vom H1N1-Virus ab, das 2009 eine Pandemie auslöste. Es ist ebenfalls verwandt mit dem Geflügelgrippe-Virus.

Die Forscher haben in zehn Provinzen Chinas von 2011 bis 2018 das Grippevirus bei Schweinen beobachtet und in diesem Zeitraum rund 30.000 nasale Abstriche von den Tieren entnommen.

"Diese Infektiosität steigert wesentlich die Anpassungsmöglichkeit des Virus im Menschenkörper und löst damit Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen Erzeugung pandemischer Viren aus", resümieren die Forscher. Ab 2016 konnten sie feststellen, dass das neuartige Virus G4 H1N1 unter Schweinen dominant wurde. In Experimenten mit Frettchen wiesen sie nach, dass es durch Aerosole übertragbar und infektiös ist. Den Wissenschaftern zufolge waren bereits 10,4 Prozent der Schweinehalter infiziert.

Hinzu kommt, dass Menschen offensichtlich nicht durch andere Virusinfektionen - etwa durch die saisonale Grippe - eine Kreuz-Immunität gegen das neue Virus aufgebaut haben. Es handelt sich vor allem um Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Eine zoonotische Infektion wird durch einen Erreger verursacht, der von einem nichtmenschlichen Tier in einen Menschen gesprungen ist.

Die Hauptsorge der Wissenschaftler sei es, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden könne.

Die Forscher warnen zudem, dass durch Mutationen im Menschen daraus ein noch infektiöseres Virus entstehen könne.

Die Studie sei "eine Erinnerung daran, dass wir ständig dem Risiko des erneuten Auftretens zoonotischer Krankheitserreger ausgesetzt sind und dass Nutztiere, mit denen der Mensch mehr Kontakt hat als mit Wildtieren, als Quelle für wichtige Pandemieviren dienen können", sagte James Wood, Leiter der Abteilung für Veterinärmedizin an der Universität Cambridge in Großbritannien.

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