Ocean Viking ruft nach Suizidversuchen Notstand aus | BR24

Bild zu Migrantion- Ocean Viking im Mittelmeer

Das Rettungsschiff kreuzt seit Tagen mit 180 Flüchtlingen an Bord zwischen Italien und Malta.

Auf dem Rettungsschiff "Ocean Viking" hat die Besatzung nach mehreren Suizidversuchen von Geretteten den Notstand ausgerufen.

Die Situation auf dem Schiff habe sich so verschlechtert, dass die Sicherheit der Geretteten und der Besatzung nicht mehr gewährleistet sei.

"Die Geretteten haben heute Morgen einen Hungerstreik begonnen", erläuterte Verena Papke, Geschäftsführerin der Organisation SOS Méditerranée für Deutschland, am Freitag. Insgesamt sechs hätten Suizidgedanken geäußert. Dass nun der Notstand ausgerufen wurde, sei "beispiellos" in der fünfjährigen Geschichte der Rettungsorganisation, hieß es. Am frühen Freitagmorgen habe ein Mann versucht, sich zu erhängen. Als Grund nennt die für den Rettungseinsatz verantwortliche Hilfsorganisation SOS Mediterrannee Deutschland, dass sich der psychische Zustand einiger Flüchtlinge an Bord rapide verschlimmert habe. An Bord gebe es viel Streit und auch körperliche Auseinandersetzungen, teilte die Crew mit.

Die Menschen waren am Donnerstag vergangener Woche sowie am Dienstag im Meer aus Seenot gerettet worden, hatte SOS Méditerranée berichtet. An Bord des Schiffes befinden sich Menschen aus 13 verschiedenen Ländern, 25 Minderjährige und zwei Frauen, darunter eine Schwangere. SOS Mediterrannee appelliert an die EU rasch eine Lösung für die Menschen an Bord zu finden. Die "Ocean Viking" hatte erst Mitte Juni ihre Seenotrettungseinsätze im Mittelmeer wieder aufgenommen, nachdem die Schiffscrew drei Monate wegen der Corona-Pandemie pausiert hatte.

Jeden Monat versuchen zahlreiche Menschen, in seeuntüchtigen Booten von Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im vergangenen Jahr ertranken dabei nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 1283 Menschen. In den vergangenen fünf Jahren gab es insgesamt mehr als 19.000 Tote.

Länder wie Italien und Malta verfolgen inzwischen eine harte Linie und lehnen die Aufnahme geretteter Geflüchteter vielfach ab. Sie fordern von anderen EU-Staaten regelmäßig Zusagen über die Weiterverteilung der Ankömmlinge. Alle Versuche, zu einer gerechten Verteilung innerhalb Europas zu gelangen, sind bisher gescheitert.

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