"Solar Orbiter" fotografiert Sonne aus 77 Millionen Kilometern Nähe

Auf dem Weg zum Zentrum des Sonnensystems Die im Februar in den USA gestartete Raumsonde

Schon jetzt biete der Extreme-Ultraviolet Imager deshalb den schärfsten Blick auf diese Sonnenregion.

"Die größeren dieser Mini-Ausbrüche kennen wir bereits aus den Aufnahmen anderer Raumsonden; die vielen, vielen kleineren sehen wir jetzt zum ersten Mal", erläuterte Udo Schühle vom MPS.

Die Wissenschaftler erhoffen sich Erkenntnisse darüber, wie Sonnenwinde produziert werden und wie das Magnetfeld der Sonne funktioniert. Eine Hoffnung sei, dass man künftig Vorhersagen über Sonnenaktivitäten machen könne, sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung, Sami Solanki. "Diese Lagerfeuer sind für sich genommen unbedeutend, aber rechnet man ihren Effekt auf die gesamte Sonne hoch, könnten sie die Erhitzung der Sonnenkorona bestimmen", so Frédéric Auchère, vom französischen Institut d'Astrophysique Spatiale (IAS). Sie zu identifizieren, sei der "heilige Gral" der Sonnenphysik. "Sie sind aber millionen- oder milliardenfach kleiner", so David Berghmans vom Royal Observatory of Belgium (ROB).

"Wir freuen uns alle sehr über diese ersten Aufnahmen, aber sie sind erst der Anfang", sagte Esa-Mitarbeiter Müller.

Die Sonde wird von den Forschern aus dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt gesteuert und kostet nach Schätzungen rund 1,5 Milliarden Euro.

Die Raumsonde "Solar Orbiter" war im Februar vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Die gemeinsame Mission von ESA und NASA soll neue Erkenntnisse zu unserem Heimatstern ermöglichen. Das Instrument blickt in verschiedene Schichten der Korona - der heißen, äußeren Atmosphäre der Sonne -, die in erster Linie ultraviolettes Licht abstrahlt, das zum größten Teil in der Erdatmosphäre absorbiert wird. Auf der Oberfläche der Sonne herrschen Temperaturen von rund 5.500 Grad, im Inneren sind es 15 bis 16 Millionen Grad. Um bei seinem Flug um die Sonne vor den hohen Temperaturen geschützt zu sein, verfügt die Sonde über ein Hitzeschild aus Titan. Zudem wird "Solar Orbiter" die Bahnebene, in der die Erde und die anderen Planeten um die Sonne kreisen, verlassen und so erstmals auf die Pole der Sonne schauen können. Der Pfeil zeigt auf eines der allgegenwärtigen Merkmale der Sonnenoberfläche, das als "Lagerfeuer" (campfire) bezeichnet wird und durch diese Bilder zum ersten Mal sichtbar wird. Sie soll sich der Sonne noch bis auf 42 Millionen Kilometer nähern. Deutschland beteiligte sich an der Entwicklung von sechs der zehn Instrumente. Die ESA-Mission, zu der auch die NASA beiträgt, ist mit insgesamt zehn wissenschaftlichen Instrumenten ausgerüstet.

Sonnenstürme können Satelliten außer Gefecht setzen, die Energieversorgung, GPS-Navigation und den Handyempfang stören.

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