Amerikas Wirtschaft stürzt ab - aber Big Tech verdoppelt den Gewinn

Jeff Bezos, Tim Cook, Sundar Pichai und Mark Zuckerberg.  Bild keystone

Die Chefs der vier Technologieriesen Apple, Amazon, Facebook und Google müssen sich heute Fragen von Abgeordneten im US-Kongress stellen.

Alle vier Milliardenkonzerne machten zuletzt Schlagzeilen, weil ihre CEOs in der Nacht von Mittwoch (29. Juli) auf Donnerstag vor einem Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses angehört worden waren.

Die Anhörung habe ihn überzeugt, dass diese Unternehmen in ihrer heutigen Form eine "Monopol-Macht" besäßen, sagte der Vorsitzende des Unterausschusses für Wettbewerb und Wirtschaftsrecht, David Cicilline.

Das Geschäft der großen Tech-Konzerne beweist enorme Widerstandskraft in der Coronavirus-Krise. Amazon profitierte im vergangenen Quartal massiv vom Shopping-Boom im Internet, Apple überraschte mit einem Plus im iPhone-Geschäft.

Das Geschäft von Facebook wächst wegen der Corona-Krise und eines Boykotts von Werbekunden deutlich langsamer als zuvor. Der Gewinn je Aktie betrug 10,30 Dollar, Analysten hatten nur mit 1,46 Dollar gerechnet.

Facebook steigerte die Erlöse im zweiten Quartal deutlich auf 18,69 Milliarden Dollar von 16,89 Milliarden ein Jahr zuvor - und lag damit ebenfalls deutlich über der mittleren Analystenprognose von 17,4 Milliarden Dollar. Während man von etwa 1,46 US-Dollar je Anteilsschein ausgegangen war, schaffte Amazon 10,30 US-Dollar. Am Markt kam auch das gut an: Anleger ließen die Aktie nachbörslich um über fünf Prozent steigen. Apple half unter anderem die Neuauflage des günstigeren Modells iPhone SE. Das war ein Bestwert für das Juni-Quartal. Die Gewinne verdoppelten sich auf 5,2 Milliarden. Doch wie sah es bei den anderen drei Tech-Giganten inmitten der Corona-Pandemie aus? Der CEO von Google, Sundar Pichai, der im Silicon Valley für sein Engagement für faire Geschäftspraktiken und Transparenz einen hervorragenden Ruf genießt, musste zum ersten Mal im Jahr 21 einen Umsatzrückgang bekannt geben.

Der Google-Chef betonte in seiner Stellungnahme, dass sein Konzern (über den etwa 90 Prozent der Internetsuchen laufen) eigentlich sehr viel Konkurrenz ausgesetzt sei, weil "jeden Tag neue Wettbewerber entstehen" würden. Bezos unterlief indes der gleiche Fehler wie vielen Heimarbeitern in der Corona-Krise: Er redete bei einer Antwort drauflos, ohne die Stummschaltung zu deaktivieren.

Instagram und WhatsApp lieferten den Nutzern einen besseren und sichereren Service dank der Ressourcen von Facebook. Im vergangenen Quartal kamen erneut 100 Millionen monatlich aktive Nutzer hinzu - inzwischen sind es 2,6 Milliarden.

Im Fall von Facebook konzentrierten sie sich auf die Übernahmen der Fotoplattform Instagram und des Chatdienstes WhatsApp.

Der Google-Mutterkonzern Alphabet wurde unterdessen von höheren Kosten und sinkende Werbeeinnahmen belastet. Der Gewinn brach im Jahresvergleich von 9,95 Milliarden auf 6,96 Milliarden Dollar ein. Stark entwickelten sich indes die Werbeerlöse der Video-Tochter Youtube, hier gab es ein Plus von sechs Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar. Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat betonte allerdings, das Anzeigengeschäft sei zum Ende des Quartals wieder auf Erholungskurs gewesen. Und womöglich werden die Unternehmen froh sein, dass der Auftritt vor den Politikern hinter ihnen liegt, denn die am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichten Zahlen fielen überwiegend besser als erwartet aus, hätten also womöglich zusätzliche Munition in der Diskussion um ihre Marktdominanz geliefert.

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