Alstom übernimmt Bombardier — EU genehmigt Eisenbahnfusion

Beschäftigte vor dem Werk

Die EU-Kommission hat die Fusion des französischen Unternehmens mit der Schienentechnik-Sparte des kanadischen Industriekonzerns Bombardier, die zu den Weltmarktführern im Schienenverkehr gehören, allerdings nur unter Auflagen genehmigt.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, ihre Behörde habe das Vorhaben rasch prüfen können, da Alstom zügig "Abhilfemaßnahmen" vorgeschlagen habe, um die vorhandenen Wettbewerbsbedenken auszuräumen. "Die Zuständigkeit für die wettbewerbsrechtliche Prüfung des Zusammenschlusses lag allein bei der Europäischen Kommission".

Außerdem müsse Alstom die Vermögenswerte, die Bombardier in die mit dem japanischen Hitachi-Konzern entwickelte Höchstgeschwindigkeitszug-Plattform "Zefiro" eingebracht hat, veräußern, so die Kommission weiter.

Auch müssten Teile von Bombardier-Produktionsstandorten verkauften werden. Davon sind auch Tausende Beschäftigte in Deutschland betroffen.

Beim Standort Hennigsdorf geht es im Detail um den Verkauf von Fertigungsanlagen für den Zug Talent 3.

Alstom und Bombardier Transportation betreiben in Deutschland mehrere Werke, in denen sie nach früheren Angaben zusammen mehr als 9000 Mitarbeiter beschäftigen. Bombardier-Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin zu verkaufen. Mit der milliardenschweren Übernahme entsteht der zweitgrößte Eisenbahnhersteller der Welt. Alstom ist vor allem durch den Bau der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge bekannt, stellt aber auch Schienenfahrzeuge für den Nah- und Regionalverkehr sowie Signaltechnik und andere Bahntechnik her. Der ohnehin bereits große gemeinsame Marktanteil der beteiligten Unternehmen bei Fernverkehrszügen wäre insbesondere in Frankreich und Deutschland weiter gewachsen. Bombardier ist der wichtigste Zullieferer der Deutschen Bahn.

Für die Übernahme war ein Kaufpreis von 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro vereinbart worden. Das Geschäft soll im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

Dem Vernehmen nach hat Alstom im Bombardier-Fall stärker mit der EU-Behörde zusammengearbeitet als im Fall der Fusion mit der Zugsparte von Siemens, welche die EU-Behörde im Februar 2019 verboten hatte. Damals wollte das Unternehmen die Zugsparte von Siemens übernehmen.

Zur aktuellen Entscheidung äußerte sich Berlin nur in knappen Worten. Man nehme die Entscheidung zur Kenntnis, wird etwa das Wirtschaftsministerium von der Nachrichtenagentur dpa zitiert.

Zuletzt hatte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire politischen Druck aufgebaut. Der Aufbau europäischer Spitzenreiter müsse ermöglicht werden, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Juli 2020 um 17:02 Uhr.

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