Commerzbank-Aufsichtsrat wählt Vetter einstimmig

Hans-Jörg Vetter ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg

Auf der Suche nach einem neuen Top-Management bekommt es die Commerzbank mal wieder mit Großaktionär Cerberus zu tun. Dieses Verständnis aber Vetter allein wegen seines Alters abzusprechen ist fragwürdig. Die Namen der Kandidaten nannte Cerberus nicht. Die Commerzbank rechnet damit, dass die Bestellung Vetters durch das Registergericht am Amtsgericht Frankfurt innerhalb weniger Tage erfolgt. Die dringend erforderliche Neuausrichtung der Commerzbank wird viele Stellen kosten, das Kreditinstitut ist schlicht zu breit aufgestellt, vieles lässt sich digital und damit schlanker betreiben. Wichtigste Aufgabe von Vetter wird es aber sein, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Konzernchef Martin Zielke zu finden. Die Chefin der Finanzagentur des Bundes ist eine von zwei Aufsichtsräten, die der Staat in das Kontrollgremium der Commerzbank entsandt hat.

Frankfurt/Main - Die Commerzbank geht einen ersten Schritt aus ihrer Führungskrise. Hintergrund des Streits sind Diskussionen über die künftige Strategie der Commerzbank, deren größter Aktionär der Bund ist.

Vetter war von 2009 bis 2016 Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und schon einmal im Gespräch für die Aufsichtsratsspitze der Commerzbank. Der 67-Jährige müsste im ersten Wahlgang eine Zweidrittelmehrheit erreichen, um gewählt zu werden. "Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Hans-Jörg Vetter die richtige Person für diese Aufgabe ist und über die richtige Erfahrung hierfür verfügt", heißt es in einem Brief von Cerberus an den Aufsichtsrat, der den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX vorlag. Cerberus will mindestens zwei andere Kandidaten mit den notwendigen Qualifikationen gefunden haben, die vermutlich das Vertrauen aller Interessensgruppen im Aufsichtsrat genießen würden. Sie habe eine wichtige Funktion für die Mittelstands- und Exportfinanzierung der deutschen Wirtschaft. Zu allem Übel erschwert die Corona-Krise der Bank das Geschäft.

Angesichts der schlechten Kursentwicklung hatte Cerberus im Juni eine öffentliche Kampagne gegen die Commerzbank-Führungsspitze gestartet.

Bei der Commerzbank war Anfang Juli ein Führungsvakuum entstanden, da sowohl Aufsichtsrats chef Stefan Schmittmann als auch Konzernchef Martin Zielke nach Kritik von Investoren ihren Rücktritt ankündigten. Er sei davon ausgegangen, "dass der Aufsichtsrat die wesentlichen Interessengruppen zumindest in gewissem Umfang in seine Entscheidungen über Neubesetzungen einbeziehen wird. Dies scheint bisher nicht der Fall zu sein". Weil Vetter nicht Mitglied des Kontrollgremiums ist, muss er gerichtlich bestellt werden. In der kurzen Zwischenzeit leitet Betriebsratschef Uwe Tschäge als stellvertretender Aufsichtsratschef das Gremium. Die Commerzbank-Aktie notierte 0,7 Prozent im Plus.

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