Mehr als 100 Tote nach Explosionskatastrophe in Beirut

Ein älterer Herr sitzt nach der Explosion im Hafen von Beirut mit einem Verband auf dem Kopf auf der Straße

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut werden die Schäden für die libanesische Hauptstadt immer deutlicher.

Die Bundesregierung teilt nicht die Einschätzung Trumps, wonach die Explosionen in Beirut auf eine Bombe zurückzuführen seien. Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig. Das Erdbebenzentrum EMSC misst eine Erschütterung der Stärke 3,3. Die Detonationen waren im gesamten Land zu hören gewesen - und auch im 240 Kilometer entfernten Nikosia auf der Mittelmeerinsel Zypern. Ministerpräsident Hassan Diab kündigte an, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Präsident Michel Aoun erklärte zu der Explosion am Hafen auf Twitter, es sei inakzeptabel, dass dort 2.750 Tonnen des Stoffes sechs Jahre lang ohne Sicherheitsmaßnahmen aufbewahrt worden seien.

Möglicherweise ging der Explosion des Ammoniumnitrat-Lagers ein Feuer in einem angrenzenden Bereich des Hafens voraus, in dem entweder Feuerwerkskörper oder Munition gelagert wurden. Doch was ist eigentlich Ammoniumnitrat?

Ammoniumnitrat ist ein fester, farbloser Stoff. Die Substanz kann zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden. Denn verschiedene Terroristen verwendeten das hochexplosive, günstige und vergleichsweise leicht zu beschaffende Material in der Vergangenheit für Anschläge. Auch der norwegische Rechtsextremist Andres Breivik soll die Substanz für die Bombe genutzt haben, die 2011 im Osloer Regierungsviertel detonierte. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. Bereits bei Raumtemperatur könne die Kristalle reagieren und zusammenbacken.

Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island.

Der Auslöser: Möglicherweise wurde eine erste, kleinere Explosion an einem Lagerhaus für Feuerwerkskörper ausgelöst. Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Bedingungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen.

Vor fast 100 Jahren, 1921, explodierten im Oppauer Ammoniakwerk der BASF in Ludwigshafen 400 Tonnen Ammoniumsulfatnitrat-Dünger.

Mehr als 500 Menschen starben, die genaue Zahl ist unklar. Noch Kilometer weiter gab es Schäden. Mindestens 3700 weitere Menschen wurden verletzt, unter ihnen auch Mitarbeiter der deutschen Botschaft.

Das Goethe-Institut, dessen Gebäude in Beirut ebenfalls stark beschädigt wurde, zeigte sich "erschüttert". Es entstand ein riesiger Rauchpilz. Die Düngesalzmischung explodierte in einem Silo. Ursache waren späteren Untersuchungen zufolge Fehleinschätzungen bei Lagerung und Verarbeitung.

Trotz der Gefahren ist Ammoniumnitrat laut Oxley in der Landwirtschaft und für Sprengungen in der Bauindustrie unverzichtbar. Eine erste Detonation löste dann die weit größere zweite Explosion aus. In den USA hatten schließlich auch die Attentäter von Oklahoma City für den Anschlag auf das Murrah Federal Building 1995 mit 168 Toten unter anderem Mineraldünger verwendet.

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