Coronavirus: Sieben Krankheitsformen bei mildem Verlauf festgemacht

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dpa  Bernd Wüstneck

Diese Frage beschäftigen Bürger und Forscher weltweit seit Beginn der Coronavirus-Pandemie.

Bei einer Covid-19-Erkrankung mit mildem Verlauf gibt es offenbar mindestens sieben unterschiedliche Verlaufsformen. Dafür untersuchten sie unter der Leitung des Immunologen Winfried F. Pickl und des Allergologen Rudolf Valenta rund 200 Covid-19-Erkrankte, die allesamt einen vergleichsweisen milden Verlauf hatten.

Dies könnte nach Ansicht der Forscher auch ein Grund dafür sein, dass viele Covid-19-Patienten auch Wochen nach der Genesung noch unter den Spätfolgen der Erkrankung leiden. Diverse Tests konnten den Forschern zufolge belegen, dass verschiedene Symptome bei Covid-19 zusammenhängen und in sogenannten Symptomgruppen vorkommen.

Symptomatisch bei dieser Kombination sind zum Beispiel Übelkeit, Kopfschmerzen und Durchfall.

Zugleich hat das Team festgestellt, dass COVID-19 lange nachweisbare Veränderungen wie einen Fingerabdruck im Blut der Rekonvaleszentinnen und Rekonvaleszenten hinterlassen hat: So ist die Anzahl der Granulozyten, die im Immunsystem ansonsten für das Bekämpfen von bakteriellen Krankheitserregern zuständig sind, in der COVID-19-Gruppe signifikant niedriger als üblich. Daraus leiten Wissenschaftler sieben Formen milder Covid-19-Erkrankungen ab.

Patienten in dieser Gruppe klagen über Fieber, Schüttelfrost, Husten und Müdigkeit. "Gruppe 6 und 7) der primären COVID-19 Erkrankung abgrenzen", erläutert Pickl. Dann gab es so ähnliche Erkältungssymptome mit Schnupfen, Niesen, trockenem Hals und verstopfter Nase. Die dritte Covid-Variante manifestiert sich ausschließlich oder hauptsächlich in Gelenk- und Muskelschmerzen, eine vierte in ausgeprägten Augen- und Schleimhautentzündungen.

Ein fünfter Symptomkomplex sind Lungenprobleme mit Lungenentzündung und Atemnot. Schließlich ist die siebte Form der Krankheit der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns.

Bei den Genesenen haben die Mediziner auch vermehrt Antikörper-produzierende Immunzellen im Blut gefunden.

"Bei letzterer Gruppe konnten wir zudem feststellen, dass vom Geruchs- und Geschmacksverlust vermehrt Personen mit einem 'jungen Immunsystem', gemessen an Hand der Anzahl der kürzlich aus dem Thymus ausgewanderten Immunzellen (T Lymphozyten), betroffen sind". Dementsprechend hinterlässt Sars-CoV-2 eine Art immunologischen Fingerabdruck im Immunsystem und im Blut der sich erholenden Person. Sowohl das CD4- als auch das CD8-T-Zellkompartiment entwickelten jedoch Speicherzellen und CD8-T-Zellen blieben stark aktiviert. Eine ihrer Aufgaben ist es, virusinfizierte Zellen abzutöten. Je stärker bei mildem Verlauf der Erkrankung das Fieber des Betroffenen war, desto höher waren auch die Antikörperspiegel gegen das Virus ausgeprägt. Diese immunologischen Veränderungen können auch dazu beitragen, einige der Langzeiteffekte von Covid-19 zu erklären. Bei vielen Patienten treten nach Überwindung der Infektion noch Wochen lang Erschöpfung, neurologische Symptome oder Herzprobleme auf. "Das zeigt, dass sich das Immunsystem auch viele Wochen nach der ersten Infektion immer noch mit der Krankheit intensiv auseinandersetzt", erklärt Pickl. "Unsere Erkenntnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Erkrankung bei und helfen uns bei der Entwicklung von möglichen Impfstoffen, da wir nun auf vielversprechende Biomarker zurückgreifen und ein noch besseres Monitoring durchführen können", betonen die Forschenden.

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