Ausschuss in Berlin: Ex-Wirecard-Chef verweigert Aussage im Bundestag

Braun verweigerte die Aussage

Die Staatsanwälte verdächtigen Braun, einer der Hauptverantwortlichen für "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" zu sein, bei dem die Wirecard-Chefetage über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll, um das Unternehmen über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Das stieß bei den Abgeordneten auf scharfe Kritik.

Braun kündigt zudem an, dass er mit der Staatsanwaltschaft München kooperieren möchte.

"Das gilt auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und die Wirtschaftsprüfer, die im Rahmen der Abschlussprüfungen offenbar massiv getäuscht wurden und daher trotz umfangreichster und tiefgreifender Prüfungshandlungen keine Unregelmäßigkeiten feststellen konnten", so Braun. "Ich werde heute keine weiteren Angaben über meine Erklärung hinaus machen" - gleich dutzende Male fiel die Antwort Brauns identisch aus, unabhängig davon, ob die Parlamentarier von ihm wissen wollten, ob er etwas zu mutmaßlichen Geheimdienstverstrickungen des untergetauchten früheren Wirecard-Managers Jan Marsaleks sagen könne oder zu Kontakten ins Bundeskanzleramt, ob er jemals Finanzminister Olaf Scholz (SPD) getroffen habe oder wie der Titel seiner Doktorarbeit lautete. Vor diesem Hintergrund sei es für ihn nicht nachvollziehbar, warum externe Aufsichtsstellen, die viel weiter weg seien, Versäumnisse zu verantworten hätten.

Unter anderem der Finanzaufsicht BaFin und Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young (EY) wird vorgeworfen, zu spät die Bilanzunregelmäßigkeiten bei Wirecard entdeckt zu haben. Fragen beantwortete Braun nicht - was die Abgeordneten im Anschluss deutlich kritisierten. Der Vorsitzende des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der AfD-Politiker Kay Gottschalk, will nun die Verhängung von Ordnungsgelder prüfen, um eine Aussage zu erzwingen. Der Unions-Abgeordnete Matthias Hauer und der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz warfen Braun vor, sich gegenüber Parlament und Öffentlichkeit respektlos verhalten zu haben.

Erstmeldung vom 19. November, 10.56 Uhr: München/Berlin - Der frühere Chef des Skandalunternehmens Wirecard soll am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags zu dem Bilanzbetrug aussagen.

Teils schienen die Fragen dem einstigen Vorstandsvorsitzenden, der für die Zeugenbefragung aus der Untersuchungshaft in Bayern nach Berlin gebracht worden war, Unbehagen zu verursachen. Er werde dies aber "zunächst und vorrangig" gegenüber der Staatsanwaltschaft tun. Sie wollen vor allem herausfinden, welche politischen Kontakte und Netzwerke Wirecard zum Kanzleramt und den Ministerien hatte. "Das ist nicht irgendein Zeuge", sagte FDP-Politiker Florian Toncar.

Die Opposition hat unter anderem weitere Aufklärung über Treffen Brauns mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies verlangt, darunter eines am 5. November 2019. Gegenstand dieses Gesprächs waren laut einem Bericht des Finanzministeriums an den Bundestag "auch der Marktmanipulationsverdacht sowie die begonnene KPMG-Sonderprüfung" gegen Wirecard.

Kleingarn schrieb abschließend, sie erachte den Weg des Unternehmens als riskant. Der Vorstand betrachte die Unternehmensüberwachung als eine Last. Kleingarn saß von Juni 2016 bis Ende Dezember 2017 im Kontrollgremium von Wirecard. Sie habe den Vorstand mehrfach aufgefordert, die Managementkapazitäten des Konzerns zu vergrößern und die Kontrollstrukturen zu professionalisieren.

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