Querdenker empören mit Sophie-Scholl-Vergleich

Lockdown-Prostest-Demo am 21.11. in Hannover

Das Video, das ihre Ansprache auf Twitter zeigt, ist inzwischen viral gegangen.

Bei der "Querdenken"-Demonstation gegen die Corona-Maßnahmen am Samstag in Hannover hat eine Rednerin mit einem Auftritt als selbst ernannte "Sophie Scholl" heftige Reaktionen im Netz ausgelöst".

"Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten hier aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde", sagt sie - und vergleicht sich dabei mit der von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpferin.

Zum Hintergrund: Sophie Scholl steht symbolisch für den Kampf gegen den Nationalsozialismus im Dritten Reich, sie war Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

Nach einer Flugblattaktion am 18. Februar 1943 in der Münchner Uni wurde Sophie mit ihrem Bruder Hans († 24) verhaftet und von der Gestapo verhört.

Ein Demo-Ordner ging daraufhin zur Bühne, übergab demonstrativ seine Weste und nahm sich die junge Frau am Mikro zur Brust! "Hängengeblieben. Das ist mehr als peinlich", ruft er ihr zu. Aus den Reihen der Querdenken-Demonstration schlägt dem Mann aber auch Wut entgegen: "Halt die Fresse" oder "Lass sie ausreden" ist von den Menschen zu hören. Die Rednerin entgegnet: "Ich habe doch gar nichts gesagt". Dann dreht sie dem Publikum den Rücken zu, beginnt zu weinen, wirft wütend ihr Mikrofon weg und verlässt fluchtartig die Bühne. Sie gibt sich "schockiert", dass sie von einem "Passanten", beleidigt worden sei.

Geschichtsvergessen weiter: "Ich bin 22 Jahre alt, genau wie Sophie Scholl, bevor sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel", erklärt die Rednerin feierlich, während Polizisten dafür sorgen, dass sie ihre Thesen ohne Störung der 300 Gegendemonstranten äußern darf.

Zahlreiche Twitter-Nutzer markierten das Video mit "Gefällt mir", es wurde bereits über eine Million Mal angeschaut. Nach dem Zwischenfall kommt sie nochmals auf die Bühne und vergleicht sich auch erneut mit Sophie Scholl.

Der junge Mann bekommt dagegen starken Zuspruch: Im Netz wird er für seinen Auftritt gefeiert. "Respekt für den Ex-Ordner", "Ehrenmann!" und "Bester Mann!" heißt es dort vielfach. Diese Corona-Leugner fühlen sich eingeschränkt, weil sie eine Maske tragen sollen.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) ging dem nach und schrieb, dass der Mann nach ihren Informationen ein Aktivist aus der Linken Szene sei. Im Netz wird der Mann nun gefeiert - während über die geschichtsvergessene Studentin blankes Entsetzen herrscht.

Außenminister Heiko Maas (54, SPD) twitterte: "Wer sich heute mit Sophie Scholl oder Anne Frank vergleicht, verhöhnt den Mut, den es brauchte, Haltung gegen Nazis zu zeigen".

Twitter-Kommentatoren zeigten sich erschüttert und empört und sprachen von Geschichtsvergessenheit oder nicht zu überbietender Naivität.

In Hannover haben am Samstag mehr als 900 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Veranstalter der Protestkundgebung im Stadtzentrum war die Organisation "Querdenken", die in vielen Städten Proteste gegen die aktuelle Politik im Kampf gegen die Pandemie organisiert.

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