Oxfam-Bericht: Corona-Pandemie verschärft die soziale Ungleichheit

Artur Widak

Die Organisation forderte, die Pandemie müsse der Weckruf sein, um endlich extreme Ungleichheit und Armut bei der Wurzel zu packen. Grundlage für den Bericht, der in diesem Jahr den Titel "Das Ungleichheits-Virus" trägt, sind verschiedene Statistiken und eine Befragung von knapp 300 Ökonomen aus fast 80 Ländern.

Rund 87 Prozent der befragten Wissenschaftler nahmen an, dass die Einkommensungleichheit in ihrem Land als Folge der Pandemie zunehmen oder stark zunehmen wird. Die Ärmsten der Welt dagegen würden weiter abgehängt. So konnten die tausend reichsten Menschen der Erde ihre Verluste in der Pandemie innerhalb von neun Monaten ausgleichen. Zum ersten Mal seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen vor über einem Jahrhundert drohe eine Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit in fast allen Ländern.

"Wie unter einem Brennglas zeigen sich in der Pandemie die vielfältigen Formen der Unterdrückung und Marginalisierung, denen Menschen unter anderem aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Alters, einer Behinderung sowie im Zuge von Rassismus und Klassismus ausgesetzt sind", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bericht.

Für die Ärmsten der Welt könnte es nach Berechnungen der Organisation mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sie sich von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben. Zugleich hätten hierzulande rund 40 Prozent der Erwerbspersonen durch die Pandemie Einkommen verloren. Das liege daran, dass sie häufiger in beengten Verhältnissen leben, teilweise ohne Wasser und sanitäre Einrichtungen. Viele könnten nicht von zu Hause aus arbeiten. In zahlreichen Ländern arbeiteten insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte häufig im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Pflegewesen und in anderen Bereichen, in denen eine Ansteckung wahrscheinlicher ist.

Berlin: Die Corona-Pandemie verschärft nach Einschätzung von Oxfam die soziale Ungleichheit auf der Welt.

Die Hilfsorganisation befürchtet, dass sich die Ungleichheit auch bei der Bereitstellung von Corona-Impfstoffen zeigen wird. Eine kleine Gruppe reicher Nationen, die nur 14 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, habe mehr als die Hälfte der Vorräte der führenden Covid-19-Impfstoffkandidaten aufgekauft. Dazu brauche es unter anderem für jedermann zugängliche soziale Sicherungssysteme und mehr Gemeinwohlorientierung der Wirtschaft. "Unternehmen, Märkte und Politik sind weltweit so gestaltet, dass kurzfristige Gewinninteressen zu oft über das Gemeinwohl triumphieren", sagte Tobias Hauschild von Oxfam Deutschland.

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