Wirecard: Chef von deutscher Finanzaufsicht muss gehen

Felix Hufeld | HAYOUNG JEON  EPA-EFE  Shutterstoc

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar nannte den Rückzug von Hufeld unvermeidbar.

Hintergrund ist der Bilanzskandal um Wirecard.

Bei der BaFin kommt es nach dem Wirecard-Skandal zu einem Wechsel an der Führungsspitze. Sie habe mit Blick auf die Neuaufstellung der Bafin einvernehmlich mit dem Finanzministerium entschieden, ihr "Amt zur Verfügung zu stellen, um einen personellen Neuanfang zu ermöglichen", hieß es in einer Mitteilung. Apas-Chef Bose hatte im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags ausgesagt, privat mit Aktien des Skandalunternehmens gehandelt zu haben, während die Behörde den Fall bereits untersuchte. Zum Wirecard-Skandal wurde auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestags eingesetzt. Er kündigte an, dass in der nächsten Woche die Ergebnisse einer Untersuchung der Bafin dazu präsentiert werden. "Wir hatten ein Compliance-System, das den gesetzlichen Vorgaben entsprach, aber nicht mehr zeitgemäß ist und deshalb zu Recht verändert wird", hatte Bafin-Chef Felix Hufeld in einem Interview gesagt.

Er hat die Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland und Europa in dieser Zeit maßgeblich geprägt und entscheidend vorangebracht.

Einen Vorwurf muss sich Olaf Scholz (SPD) nicht machen lassen, nämlich den, dass er Bafin-Präsident Felix Hufeld zu schnell hat fallen lassen.

Scholz erklärte: "Ich bedanke mich ausdrücklich bei Felix Hufeld für sein großes Engagement an der Spitze der BaFin in den vergangenen acht Jahren".

Die Bafin habe sich dabei signifikant weiterentwickelt und in vielfacher Hinsicht an Relevanz gewonnen. Hufeld selbst wünschte seinem Nachfolger oder der Nachfolgerin "nur das Beste" bei der Bewältigung anstehender Aufgaben. Der BaFin-Chef hatte sich zugleich selbstkritisch zur Rolle der Aufsicht geäußert: "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert". Einen Tag später hatte der frühere Dax-Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" aus - und zwar seit dem Jahr 2015.

Mehr als drei Milliarden Euro könnten verloren sein. Und wann genau wusste die Finanzaufsicht von Unregelmäßigkeiten, und haben sie zu wenig dagegen unternommen? Die britische Zeitung "Financial Times" hatte seit 2015 immer wieder über Merkwürdigkeiten und Unregelmäßigkeiten bei Wirecard berichtet. "Olaf Scholz hat hier ein schmutziges Spiel gespielt". Auch der Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, Gerhard Schick, betonte: "Die Glaubwürdigkeit der Finanzaufsicht hat durch das lange Festhalten an Herrn Hufeld weiteren Schaden erlitten".

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