Skandal-Folge von "Die letzte Instanz" bleibt in WDR-Mediathek

Blick auf ein Gebäude des Westdeutschen Rundfunk in Köln

Die Schauspielerin diskutierte in der vergangenen Woche neben Thomas Gottschalk (70), Jürgen Milski (57) und Micky Beisenherz (43) in der WDR-Talkshow "Die letzte Instanz" über Alltagsrassismus, unter anderem gegen Sinti und Roma. "Ich muss schmerzlich erkennen, wie viele Menschen unseren Talk ‚Die letzte Instanz' als massiv verletzend und rassistisch diskriminierend erlebt haben", schrieb Hallaschka in einem Facebook-Beitrag am Montag.

Die jüngste Folge von "Die letzte Instanz" hatte der Moderator Steffen Hallaschka nicht gut im Griff. Alle vier hielten die rote Karte hoch. "Diejenigen, die die Sendung als verletzend empfunden haben, möchte ich aufrichtig um Entschuldigung bitten".

Auf Twitter empörten sich im Anschluss viele Zuschauer darüber, dass die Gäste "empathielos", "unkritisch" und "naiv" mit dem Thema Alltagsrassismus umgegangen seien und rassistische Begriffe verteidigt hätten.

Was man im Fernsehen nicht so einfach machen kann beziehungsweise wie schnell eine Debatte aus einem Dritten Programm in die bundesweite Diskussion gelangt und dort einen kaum zu reparierenden Imageschaden hinterlässt, das hätten den Kölnern die Kollegen von MDR und RBB sagen können. Auch der Umstand, dass zu einer Diskussion über Rassismus ausschließlich weiße Gäste in die Talkrunde eingeladen worden waren, wurde heftig kritisiert.

Gerade als Mutter von drei Kindern sollte sie aufgeklärter sein, schrieb sie weiter. So sagte Kunze beispielsweise, dass sie sich "über viele Worte nie Gedanken gemacht" habe. Der Entertainer hatte erzählt, dass er bei einer Kostümparty in Los Angeles mit Jimi-Hendrix-Verkleidung das erste Mal erfahren habe, "wie sich ein Schwarzer fühlt". Er habe an vielen Stellen interveniert - das Einschreiten sei aber nicht immer entschlossen genug gewesen. Sie werde künftig ihre Wortwahl überdenken. Beisenherz sagte in seinem Podcast weiter, er hätte in der Sendung bei vielen problematischen Aussagen vehementer reagieren müssen. Eine offen beleidigende Absicht seiner Talkgäste habe er aber nicht erkennen können. "Das habe ich verstanden und das nehme ich mit fürs nächste Mal". "Die letzte Instanz" sei nicht als klassischer Polit-Talk angelegt - eher wie eine "Runde von Freunden, die sich in einer Kneipe" treffe. Da steht Tiefsinniges neben Unsinnigem, alles ohne vorherige Absprachen. Beim Talk zur "Zigeunersauce" sei das aber gehörig schief gegangen. "Manche Themen verlangen eine sensiblere Gästeauswahl".

Auch der WDR räumte kleinlaut ein: Die Sendung sei nicht so gelaufen, "wie wir es geplant und uns vorgestellt hatten". Nachdem sich der WDR bereits zerknirscht äußerte und einräumte, dass bei einem solchen Thema "unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt betroffen sind", hat sich jetzt auch Moderator Steffen Hallaschka zu Wort gemeldet. "Daraus haben wir in jedem Fall gelernt", sagte eine WDR-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Sendung, in der vier Kartoffeln sitzen und mittels Karten über Rassismus abstimmen hat ein Problem.

Speziell beim WDR hätte man gewarnt sein sollen nach dem Shitstorm, den der Sender mit dem "Umweltsau"-Video vor einem Jahr ausgelöst hat". Als Gesellschaft sei man deutlich weiter, "als im Jahr 2021 noch ernsthaft über dieses verdammte Schnitzel zu diskutieren und zu sagen, ich möchte unbedingt das Z-Wort benutzen, wenn ich bestelle".

Related:

Comments

Latest news

New York von schwerem Schneesturm getroffen
Der Flughafen La Guardia strich 90 Prozent aller Flüge, die Flughäfen JFK und Newark sagten 70 Prozent der Flüge ab. Ein schwerer Schneesturm fegt über den Nordosten der USA hinweg.

Impfgipfel: Hoffnung auf mehr Impfstoff-Nachschub bis zum Sommer | BR24
Zudem sollen Menschen mit Vorerkrankungen voraussichtlich teilweise etwas früher geimpft werden können als bisher vorgesehen. Das Ministerium betonte, dass die Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet und Änderungen nicht ungewöhnlich seien.

Kremlgegner Nawalny droht lange Haftstrafe
Sie warf Putin vor, nach Belieben das Schicksal von Menschen zu bestimmen - er entscheide, "wer eingesperrt, wer vergiftet wird". In Moskau versammelten sich nach einer Sperrung der Innenstadt an verschiedenen Punkten Menschen, die Protestzüge bildeten.

"Wer stiehlt mir die Show?" wird noch in diesem Jahr fortgesetzt
Wer quizzt sich aufs Cover seiner eigenen Zeitschrift? "Gottschalk hat eine Disziplin geschaffen, die er als einziger beherrscht". Er habe es nicht leicht gehabt, beim Tempo mitzuhalten, als er das Ruder übergeben musste, gab Winterscheidt zu.

Neue Kooperation: Bayer will Impfstoff von Curevac produzieren
"In Gesprächen mit der Bundesregierung ist deutlich geworden, dass die Verfügbarkeit von Impfstoffen weiter erhöht werden muss". Die Investitionen beliefen sich auf 2,9 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 5,3 Milliarden Euro.

Other news