Erzbistum Köln: Kardinal Woelki unter Druck - Hunderte Beschuldigte laut neuem Gutachten

Koelner Dom dunkel unter grauen Wolken dts

Das vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki jüngst in Auftrag gegebene Missbrauchsgutachten, das am 18. März erscheinen soll, enthält vermutlich über 300 Verdachtsmeldungen und führt mehr als 300 Betroffene und über 200 Beschuldigte auf. Damals waren für das Erzbistum Köln über einen Zeitraum von 70 Jahren 135 Opfer sexualisierter Gewalt und 87 beschuldigte Kleriker angegeben worden. Das Gutachten von Gercke wertet laut "Spiegel" über 300 Verdachtsmeldungen und 236 Aktenvorgänge aus.

"Die Zahlen sind bekannt, da wir sie bereits in der Vergangenheit zu verschiedenen Anlässen kommuniziert haben", erklärte der von der Kirche beauftragte Strafrechtler Professor Björn Gercke am Samstag.

Auffällig ist, dass die jetzt veröffentlichten Zahlen deutlich höher liegen als die Zahlen aus der sogenannten MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz von 2018. Gercke nannte hierfür mehrere Gründe: So betrachte sein Gutachten nicht nur Kleriker (also Priester, Diakone und Bischöfe), sondern auch nicht geweihte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums.

2002 soll der Priester sich sexuell übergriffig gegenüber einer Teenagerin verhalten haben, dennoch verabschiedete ihn Erzbischof Woelki erst 2017 in den Ruhestand. Durch seine Sprecher ließ er mehrfach mitteilen, Juristen des Erzbistums hätten es geprüft und schwere methodische Fehler festgestellt.

Woelki hat die umfassende Aufarbeitung sexueller Gewalt durch Geistliche im Erzbistum Köln versprochen, das mit etwa 1,9 Millionen Katholiken das größte Bistum im deutschsprachigen Raum ist. Viele werfen ihm die Vertuschung von Missbrauchsfällen vor. Laut "Spiegel" soll die neue Studie noch mehr Fälle beinhalten als das unveröffentlichte Gutachten aus München. Die Nachfrage nach Kirchenaustritten ist in Köln so in die Höhe geschnellt, dass das Amtsgericht die Zahl der Online-Termine aufgestockt hat. Kurz nach Freischaltung der zusätzlichen Termine brach am Freitag der Server wegen Überlastung zusammen.

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