Astrazeneca: Schwere allergische Reaktion mögliche Nebenwirkung laut EMA

Laut EMA keine auffällige Häufung von Thrombosen

Zumindest in einigen Fällen gebe es da einen Zusammenhang, glaubt man bei EMA. War nur eine Charge fehlerhaft?

Nach dem vorübergehend gestoppten Einsatz des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in Dänemark und anderen Staaten mehrt sich die Kritik am Vorgehen der Länder. Noch weiß man nicht, ob diese Thrombosen auch ohne die vorherige Impfung entstanden wären.

Die Europäischen Arzneimittelbehörde EMA kam zu dem Schluss, dass der Anteil der Thrombosekranken nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat dem spontanen Auftreten dieser Erkrankung in der Normalbevölkerung entspricht. Der Chef der Arzneimittelagentur in Sofia, Bogdan Kirilow, verfügte, dass die dem Lande bereits gelieferten Mengen des Impfstoffs von Astrazeneca blockiert werden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Gleichzeitig wies die EMA darauf hin, dass schwere allergische Reaktionen auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten eine bekannte seltene Nebenwirkung sind. Das teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Bereits zuvor wurde empfohlen, Geimpfte 15 Minuten unter Beobachtung zu lassen.

Nach Behördenangaben wird der Stopp in Dänemark zunächst 14 Tage dauern, danach wird geschaut, wie es weitergeht. Zuvor hatte es Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Geimpften gegeben.

Unter den gemeldeten Fällen beziehe sich einer auf einen Todesfall in Dänemark, hieß es. Zugleich machten die Dänen klar, dass man noch nicht feststellen könne, ob ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Blutgerinnseln bestehe.

Ähnlich äußerte sich am Donnerstagabend das Paul-Ehrlich-Institut.

Anlass des Impfstopps sei der Tod in der Nacht zum Freitag einer 57-jährigen Frau mit einer Reihe von begleitenden Erkrankungen, der am Donnerstagmittag eine Dosis von Astrazeneca verabreicht worden sei, erläuterte Gesundheitsminister Angelow. "Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung steht", erklärte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag.

Auch Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Freiburg, stimmt dem zu.

"Die Entscheidung verursacht wahrscheinlich mehr Schaden, als dass sie potenzielle Impfkomplikationen verhindert, von denen wir derzeit nicht einmal wissen, ob es überhaupt Impfkomplikationen sind", sagte Pletz. Dass es bei millionenfachen Impfungen in sehr seltenen Fällen auch zu Komplikationen kommen könne, sei zu erwarten. Die allermeisten Impflinge hätten das Vakzin mit tolerablen Nebenwirkungen gut vertragen, betont der Freiburger Virologe. Mit Bulgarien hat ein weiteres Land die Impfung vorerst gestoppt. Ein Grund könnte die Erinnerung an die Schweinegrippe sein, eine Viruserkrankung, gegen die 2009 und 2010 geimpft wurde.

Allerdings gebe es die Möglichkeit einer fehlerhaften Charge.

AstraZeneca wird in Österreich weiter verwendet. Estland und Litauen zogen nach. Nach Deutschland war die Charge nicht geliefert worden. Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau handelt es sich bei dem Todesfall in Dänemark um eine 60-Jährige, auch ihre Impfung stamme aus dieser Charge. Ob die Probleme produktionsbedingt sind, wird untersucht.

Schon am Donnerstag war AstraZeneca wegen schwerer Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Gerinnungsstörungen seines Corona-Impfstoffs in den Fokus geraten. Man beabsichtige, im ersten Halbjahr 100 Millionen Dosen zu liefern, davon 30 Millionen im ersten Quartal. Zuletzt war der Konzern noch von 220 Millionen Dosen bis zur Jahresmitte ausgegangen. Einige EU-Länder wie Schweden und Polen erklärten dagegen, an dem Impfstoff festzuhalten.

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