Missbrauchsskandal - Hamburger Erzbischof bietet Rücktritt an

TT Gespräch Woelki allein

Beim Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sehen der Strafrechtler Björn Gercke und sein Team dagegen keine Pflichtverletzungen. Nun hat der Kardinal einstweilen eine Art Freispruch erhalten.

Das Gutachten enthält auch schwere Vorwürfe gegen Hamburgs Erzbischof Stefan Heße. Der Gutachter Björn Gercke und seine Kollegin Kerstin Stirner zeichneten bei der Vorstellung ihres 800 Seiten starken Gutachtens ein düsteres Bild von den Verhältnissen im Erzbistum Köln.

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (53) ragierte deutlich: Er hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Damit sind erstmals hochrangige Amtsträger der Kirche in Deutschland für Fehlverhalten innerkirchlich zur Verantwortung gezogen worden - wenn auch noch vorläufig. Während Schwaderlapp in acht Fällen konkrete Pflichtverletzungen begangen haben soll, soll Assenmacher in zwei Fällen eine unzutreffende Rechtsauskunft abgegeben haben. Woelki will das Gutachten nach der Veröffentlichung in den kommenden Tagen mit den Kölner Kirchengremien diskutieren und dann am kommenden Dienstag mögliche personelle Konsequenzen verkünden - im Raum stehen Beurlaubungen von Verantwortungsträgern, aber auch persönliche Konsequenzen Woelkis.

Gercke sagte, zu derselben Einschätzung sei auch das von Woelki unter Verschluss gehaltene Münchner Gutachten gekommen, ebenso der Vatikan. Woelki hatte ihn beauftragt, Verantwortliche namentlich zu benennen - gegebenenfalls auch ihn selbst. "Wenn der Kardinal wirklich etwas bezüglich seiner eigenen Person zu vertuschen gehabt hätte, hätte er das Münchner Gutachten durchwinken können", sagte Gercke. Gercke hatte vorab mitgeteilt, dass seine im Jahr 1975 beginnende Untersuchung mehr als 300 Opfer und über 200 Beschuldigte aufführt. Dabei seien "Pflichtverletzungen noch lebender Akteure" auch auf höchster Ebene festgestellt worden.

"Wir haben erhebliche Mängel im Hinblick auf die Organisation des Aktenbestands sowie der Aktenführung im Erzbistum festgestellt", sagte Gercke am Donnerstag.

Der Strafrechtler Gercke hatte das Gutachten vorgestellt. Heße bestreitet die Vorwürfe.

Die Auswertung der Akten von 1975 bis 2018 habe unter anderem ergeben, "dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen", kritisierte er. Er war ab 2006 Personalchef des Erzbistums Köln und von 2012 bis 2015 dessen Generalvikar.

Das neue Gutachten liegt nach Angaben Gerckes bereits bei der Staatsanwaltschaft. "Sofern es mich betrifft, habe ich bereits erklärt, dass ich mich den Ergebnissen der Untersuchung stellen werde", versprach er. Das teilte der Geistliche am Donnerstag in einer Stellungnahme in Köln mit, kurz nach der Vorstellung des Gutachtens. Er soll den mittlerweile gestorbenen Düsseldorfer Pfarrer Johannes O. geschont haben, dem der Missbrauch eines Kindergartenjungen Ende der 1970er-Jahre zur Last gelegt wird. Nachdem Woelki 2014 Erzbischof von Köln geworden war, entschied er sich, nichts gegen O. zu unternehmen. Seine Begründung dafür: O. sei aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz "nicht vernehmungsfähig" gewesen.

Das Zurückhalten des ersten Gutachtens löste im größten deutschen Bistum eine Vertrauenskrise aus. Auch Heße hatte schon im November angekündigt, er wolle Rom prüfen lassen, ob die Untersuchungsergebnisse "Auswirkungen auf mein Amt als Erzbischof in Hamburg haben".

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