Bistum Köln von Missbrauchsgutachten erschüttert

Ein Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit sexuellem Missbrauch liegt vor einer Pressekonferenz auf einem Rednerpult  dpa

Ein Jahr lang wartete die Öffentlichkeit darauf: Heute hat Kardinal Woelki endlich das Missbrauchsgutachten für sein Erzbistum Köln vorgelegt - und erste personelle Konsequenzen gezogen.

Ob Reker schrieb zum Gutachten: "Wenn unentschuldbare Taten, Verfehlungen und Vergehen - insbesondere an Kindern - nicht konsequent adressiert, aufgedeckt und angegangen werden, nehmen die Verantwortlichen und die Institution für die sie handeln, schweren Schaden und verlieren Glaubwürdigkeit".

In seiner Erklärung hatte Heße am Donnerstagabend Fehler eingeräumt, bestand aber darauf: "Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt". "Das auf der Basis der Aktenlage von den Gutachtern gezeichnete Ausmaß des Missbrauchs und der Pflichtverletzungen kirchlicher Verantwortungsträger ist erschreckend", sagte Rörig. "Wir schätzen Erzbischof Heße und haben ihn in den vergangenen Jahren als zugewandten, interessierten und gesprächsbereiten Erzbischof erleben dürfen - gerade im Umgang mit jungen Menschen in der kirchlichen Jugendarbeit". Das Gutachten entlastet Woelki ausdrücklich, Meisner und Heße hingegen werden zahlreiche Pflichtverletzungen zur Last gelegt. Er soll seine Pflichten im Umgang mit Missbrauchsfällen in keinem Fall verletzt haben. Als Konsequenz aus den Ergebnissen kündigte der ehemalige Generalvikar im Erzbistum Köln und heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße seinen Amtsverzicht an. Vor seiner Berufung zum Hamburger Erzbischof war Heße Personalchef im Erzbistum Köln. Während Schwaderlapp in acht Fällen konkrete Pflichtverletzungen begangen haben soll, soll Assenmacher in zwei Fällen eine unzutreffende Rechtsauskunft abgegeben haben. Nachdem Woelki 2014 Erzbischof von Köln geworden war, entschied er sich, nichts gegen O. zu unternehmen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handle es sich um Kleriker. Er kündigte an, das Gutachten noch am selben Tag nach Rom weiterzuleiten. "Die Untersuchung hält ernste Versäumnisse fest, die ich zu verantworten habe", erklärte er.

Betroffeneninitiativen gehen das Gutachten harsch an. Das Gutachten kläre weder moralische noch kirchenrechtliche Fragen. Katsch kritisierte zudem, dass die Perspektive der Betroffenen für die Erstellung des Gutachtens keine Rolle gespielt habe. - Vor allem für die vielen katholischen Gläubigen im Erzbistum Köln, die auch in den letzten fünf Monaten zu "ihrem" Kardinal gestanden und auf sein Wort vertraut haben.

Ein erstes Gutachten einer Münchner Kanzlei war vom Kölner Kardinal unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte.

Nach monatelanger Debatte ist am Donnerstag ein 800 Seiten starkes Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen in der deutschen Erzdiözese Köln vorgestellt worden. Nach Monaten des Wartens erklärte der Kardinal am 30. Oktober, das Gutachten werde nicht veröffentlicht. Angeblich gebe es erhebliche methodische Mängel.

Der Kölner Kardinal Woelki wurde in dem jetzt vorgestellten Gutachten entlastet. Welche Konsequenzen das Gutachten für Heße hat, ist noch unklar. Gleichzeitig machte das Gerücht die Runde, der Kölner Kardinal sei unter dem Druck ehemaliger und aktueller Würdenträger eingeknickt, die sich angeblich gegen die Veröffentlichung stemmten, darunter werden auch Schwaderlapp und Heße genannt, wie SWR-Kirchenexperte Ulrich Pick berichtet.

Während das mutmaßliche Missbrauchsopfer der Darstellung Woelkis widersprach, es habe nicht an der Aufklärung mitarbeiten wollen, forderte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller den Kölner Kardinal zum Rücktritt auf, weil er keine Untersuchung eingeleitet habe. Im ganzen Jahr 2020 beantragten dort 6.690 Menschen einen Austritt aus der katholischen oder evangelischen Kirche. Im Februar hieß es von dort, er habe korrekt gehandelt, da eine strenge Meldepflicht in solchen Fällen erst seit 2020 vorgeschrieben sei. Nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers hat das Amtsgericht Köln von Januar bis einschließlich Mai dieses Jahres bereits 6.250 Austrittstermine vergeben.

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