Merkel will Corona-Notbremse ziehen: Deutschland steht vor neuen Verschärfungen

Die Tische und Stühle eines Cafes sind mit Flatterband abgesperrt

Die "Notbremse" sieht vor, Öffnungen wieder zurückzunehmen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region oder einem Land an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt. Der Stadtstaat Hamburg etwa setzte sie am Freitag offiziell in Kraft. Ein Überschreiten der 100er-Marke gilt bis zum nächsten Bund-Länder-Gipfel am Montag (22. März 2021) als sicher. "Es war unverantwortlich, in die dritte Welle und die Ausbreitung der Mutanten hinein auf diese Art zu lockern. Dadurch droht den Kliniken nun die dritte Extremsituation binnen eines Jahres", sagte Johna. Der bundesweite Inzidenzwert stieg bis Freitag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts auf 95,6.

Am Samstag vergangener Woche hatte das RKI binnen eines Tages 12 674 neue Fälle und 239 neue Todesfälle registriert. Merkel wies darauf hin, dass die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner deutschlandweit schon fast wieder bei 100 liegt.

Von den Intensiv-Medizinern kommen deshalb nachdrückliche Mahnungen. Seit Februar wird an den meisten Grundschulen in Deutschland wieder unterrichtet. "Alles, was man sich jetzt erlaubt, muss man später mit Zins und Zinseszins bezahlen", warnte Marx.

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist alarmiert: Man müsse damit rechnen, "dass Dinge zurückgenommen und verschärft werden".

Der Ärzteverband Marburger Bund forderte, die Notbremse definitiv zu ziehen. "Wir haben ein Instrument, das wirkt: die Notbremse. Die muss überall in Deutschland gleich und konsequent angewendet werden", betonte der CSU-Chef im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sonst wird sie ein zahnloser Tiger, und die Sicherungswirkung verpufft".

Angesichts der steigenden Infektionszahlen seien weitere Öffnungen sinnlos. "Wer jetzt die falschen Schritte geht, riskiert, dass aus der dritten Welle eine Dauerwelle wird", warnte Söder. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt sagte, wenn alle Impfzentren unter Volllast liefen und vor allem 50 000 Arztpraxen eingebunden würden, "haben wir eine echte Chance, bis zum Sommer allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen". "Daher jetzt lieber konsequent und schneller - auch wenn es noch mal Kraft kostet".

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schloss weitere Lockerungen aus. "Die Welle, die sich gerade auftürmt, müssen wir brechen".

In Rheinland-Pfalz kann die Außengastronomie ab Montag wieder öffnen - allerdings nur dort, wo die Inzidenz unter 100 liegt, und unter Vorlage eines negativen Corona-Tests. Angesichts steigender Infektionszahlen de.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte, auch den Fortschritt der Impfungen beim weiteren Vorgehen stärker zu berücksichtigen. Man sollte aber auch zumindest darüber sprechen, ob es Wege für Urlaub in der näheren Umgebung gebe. Bund und Länder sollen die Impfungen mit Hilfe der Hausärzte ab Ostern beschleunigen. Die Lieferungen sollten dann aber bis zur letzten Aprilwoche auf knapp 3,2 Millionen Lieferungen wöchentlich steigen. Vereinbart wurden zudem zusätzliche Impfdosen für vier Bundesländer mit Außengrenzen zu Frankreich und Tschechien sowie für das grenznahe Thüringen.

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