Impfstoffe versteckt? Jetzt redet AstraZeneca

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Handelskommissar Thierry Breton

Großbritannien droht ein Exportstopp aus der Europäischen Union. "Das ist völlig inakzeptabel", schrieb der CSU-Europapolitiker Manfred Weber auf Twitter.

Der Impfstoff wurde laut der italienischen Zeitung in der niederländischen Fabrik Halix in Leiden hergestellt und dann in Italien abgefüllt. Zehn Millionen Extra-Dosen von Biontech sollen an diese Länder, die sich stark auf AstraZeneca verlassen haben, verteilt werden.

Der gesundheitspolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion im EU-Parlament Peter Liese ist nach eigenen Worten fassungslos über die Meldungen aus Italien: "Sollte dies stimmen, zeigt es, dass Exportbeschränkungen dringend notwendig sind". Er habe Italien unterrichtet, wo Astrazeneca Impfstoff abfüllen und verpacken lässt. Der erweiterte EU-Mechanismus beziehe nun aber einen "Gerechtigkeitsansatz "mit ein". Astrazeneca betonte: "Es sind derzeit keine Exporte außer in Covax-Länder geplant". Das geht aus einem noch unveröffentlichten Verordnungsentwurf der EU-Kommission hervor, der Business Insider vorliegt. Die Firma hatte die EU laut Berichten nicht über die Existenz der Dosen informiert. Das Prinzip der Gegenseitigkeit bedeutet aus Sicht der Kommission, dass auch das Empfängerland Exporte von Impfstoffen oder Bestandteilen zulässt.

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, man habe sich erstmal gefreut, "dass da 29 Millionen Dosen offensichtlich sind".

"Es ist nicht unsere Absicht, Dinge zu blockieren", sagten EU-Beamte.

Darin verweist die Kommission auf den globalen Mangel an Corona-Impfstoff und die anhaltenden Lieferprobleme von Herstellern dieser Impfstoffe. Laut AstraZeneca gäbe es 13 Millionen Impfstoffdosen, die auf die Freigabe durch die Qualitätskontrolle warten, um an "Covax"-Länder versandt zu werden". Der Chef der Auftragsfertigung Catalent im italienischen Anagni sagte dazu allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Impfstoffe würde generell nach Belgien zurückgebracht, weil sich dort das allgemeine Auslieferungslager für die Astra Zeneca-Lieferungen in alle Welt liege. AstraZeneca hatte seine Lieferungen an die EU einseitig drastisch gekürzt: Statt der ursprünglich avisierten 120 Millionen Impfdosen sollen im ersten Quartal nur 30 Millionen kommen, im zweiten Quartal 70 Millionen statt 180 Millionen Dosen. Viele EU-Staaten machen die Kommission für die Knappheit bei den Impfstoffen verantwortlich.

Italienische Behörden durchsuchen ein Werk und finden Millionen AstraZeneca-Dosen mit unklarem Bestimmungsort. Dabei geht es auch immer wieder um die Fabrik in Halix. Die von der Kommission vorgeschlagene Verordnung soll beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU am morgigen Donnerstag diskutiert werden. "Wir müssen jetzt überprüfen, ob der Wirkstoff in diesen Impfstoffen in der EU in von der EMA zugelassenen Anlagen hergestellt wurde", sagte der EU-Vertreter. Das hatte unter anderem in Frankreich für Unmut gesorgt, zumal in der EU ohnehin schon das Misstrauen gegenüber AstraZeneca groß ist. Großbritannien hofft dem Vernehmen nach, den Großteil des dort hergestellten Impfstoffs zu bekommen. Rom jedenfalls stellte am Mittwoch klar, dass die für den Gesundheitsschutz zuständigen Carabinieri von nun an alle ausgehenden Impfstoff-Partien bei dem Betrieb in Anagni kontrollieren würden.

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