Demonstrationen - Blutigster Tag seit Putsch in Myanmar

Die Gewalt in Myanmar nimmt weiter

In Myanmar ist es beim gewaltsamen Vorgehen des Militärregimes gegen die Straßenproteste zur bisher blutigsten Eskalation seit dem Putsch vor knapp zwei Monaten gekommen.

Allein am Samstag wurden Medienberichten zufolge landesweit mehr als 100 Menschen getötet, als sogenannte Sicherheitskräfte in verschiedenen Städten das Feuer eröffneten.

Die Zeitung "Myanmar Now" berichtete von mehr als 114 Toten unter Berufung auf Zahlen aus 44 Städten. Allein in Mandalay sollen mindestens 29 Menschen getötet worden sein, darunter ein Kind, berichtete örtliche Medien.

Die neuen Demonstrationen fanden zum Tag der Armee statt, den das Militär mit einer Parade in der Hauptstadt Naypyitaw beging.

Der UNO-Sonderberichterstatter für Myanmar, Andrews, schlug ein internationales Treffen zu Myanmar vor, um etwa Waffenlieferungen in das Land zu verhindern oder die Finanzströme an die Militärs zu stoppen. US-Botschafter Thomas Vajda sprach von einem "entsetzlichen Blutvergießen" und erklärte, das Volk von Myanmar habe klar gemacht, dass es nicht unter der Militärherrschaft leben wolle.

Die Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP hatte am Freitagabend die Zahl der Getöteten seit dem Putsch auf mindestens 328 geschätzt. Mit den Toten vom Samstag würde die Zahl 440 übersteigen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich.

Seit dem Militärputsch gibt es fast täglich Proteste gegen die Machtübernahme. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freilassung der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und eine Rückkehr zum demokratischen Prozess. Ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte bei der Wahl im November einen erdrutschartigen Sieg gefeiert. Das Militär erkennt diesen jedoch nicht an und spricht von Wahlbetrug.

Soldaten mit Fackeln und Flaggen marschierten am Samstag flankiert von Militärfahrzeugen durch Naypyidaw. Armeechef Min Aung Hlaing erklärte in einer direkt im Fernsehen übertragenen Ansprache: "Die Armee will sich mit der ganzen Nation zusammentun, um die Demokratie zu sichern". Gewalthandlungen, die die Stabilität und Sicherheit beeinträchtigen würden, seien unangebracht. Er wiederholte sein Versprechen Wahlen abzuhalten, nannte jedoch erneut kein Datum. Tags zuvor hatte es im staatlichen Fernsehen eine Drohung gegen die Demonstrierenden gegeben. Im Staatsfernsehen wurde bereits am Freitag eine deutliche Warnung ausgestrahlt: Junge Leute sollten die Lehre aus dem Tod von Menschen ziehen, die sich in die Gefahr begeben hätten, in den Kopf oder den Rücken geschossen zu werden.

Zu der Parade entsandten Diplomaten zufolge acht Staaten Vertreter - Russland, China, Indien, Pakistan, Bangladesch, Vietnam, Laos und Thailand.

An der Parade nahm laut Staatsagentur Tass auch der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin teil. "Russland ist ein wahrer Freund", sagte Min Aung Hlaing. Die Unterstützung der Regierungen in Moskau und Peking ist für die Armee in Myanmar besonders wichtig, weil beide Staaten ein Veto-Recht im UN-Sicherheitrat haben.

Seit dem Militärputsch am 1. Februar sieht sich die Junta in Myanmar massiven Protesten gegenüber, gegen die sie äußerst brutal vorgeht. Doch "das mutige Volk von Myanmar lehnt das Terrorregime des Militärs ab". "Wenn sie weiter auf die Menschen schießen und nicht aufhören, sie zu ermorden - ich glaube nicht, dass die ethnischen Gruppierungen dann tatenlos zusehen werden".

Der Historiker Thant Myint-U warnte auf Twitter angesichts der Entwicklungen vor einem Zusammenbruch des Staates. Die Shan sind eine der zahlreichen ethnischen Minderheiten im Vielvölkerstaat Myanmar, viele von ihnen haben jahrzehntelang für ihre Unabhängigkeit gekämpft oder tun es noch.

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