Corona-Demo in Stuttgart: Querdenken-Gegner blockieren Bundesstraße in Stuttgart

Laut Polizei wurden die Auflagen der Stadt von den Demonstranten größtenteils nicht eingehalten

Polizeihubschrauber waren zur Dokumentation des Geschehens über dem Stadtgebiet im Einsatz. Es bestehe die Möglichkeit, dass sich noch mehr Menschen anschließen. Eine Twitter-Nutzerin fragte beispielsweise, wie sie ihren Schülern erklären solle, "dass sie bei Treffen mit drei Freunden Bußgelder im dreistelligen Bereich zahlen müssen, Corona-Leugner sich aber von der Polizei geschützt zu 100en ohne Maske und Abstand durch die Stadt bewegen dürfen?" Während des Aufzuges kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Zu sehen ist, wie ein Polizist und ein Demonstrant einschlagen. Die Beamten wiesen die Menschen immer wieder darauf hin, Masken aufzusetzen und die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten. Nach Angaben der Polizei wurden am Mittag vor dem Rathaus 20 Menschen, die mutmaßlich dem Rockermilieu angehören, kontrolliert.

Vor der für Samstag in Stuttgart geplanten "Querdenken"-Demonstration hat das Gesundheitsministerium eindringlich darauf hingewiesen, dass die Corona-Verordnung durchaus ein Verbot hergebe". Tatsächlich machten mindestens viermal so viele Menschen am Samstag in Stuttgart ihrem Unmut über die Corona-Regeln Luft - an die sich selbst auch nicht hielten. Dabei sei eine Polizeibeamtin leicht verletzt worden. Die Betroffenen erhielten Platzverweise.

Ermittelt wird nach Behördenangaben in mehreren Fällen: Es sei ein pyrotechnischer Gegenstand in eine Menschenmenge geworfen worden. Ein Tatverdächtiger sei kontrolliert worden.

Zuvor hatte offenbar ein Demo-Teilnehmer einen Journalisten aus Dortmund ins Gesicht geschlagen. "Die Ermittlungen hierzu dauern an", erklärte die Polizei zu einem weiteren Vorfall am Rande der Demonstration. "Sie standen oder saßen auf der Bundesstraße 14 und sind auch jetzt noch vor Ort", sagte ein Polizeisprecher.

Vom Hauptbahnhof Richtung Cannstatter Wasen, wo die Veranstaltung um 16 Uhr starten soll, zieht sich ein langer Strom an Teilnehmern durch die schwäbische Landeshauptstadt. Die Polizei löste die Menge auf.

Querdenken-Demo auf dem Marienplatz in Stuttgart
"Querdenken-Demo auf dem Marienplatz in Stuttgart. | Bild Christoph Schmidt dpa

Gegendemonstranten in Stuttgart haben versucht, den Aufzug von Teilnehmern einer Versammlung gegen die Corona-Maßnahmen am Weiterzug zum Cannstatter Wasen zu hindern.

Das Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet die "Querdenken"-Bewegung".

Vor der Kundgebung waren zahlreiche Bürger mit einer Stuttgarter Vorwahl durch automatisierte Anrufe zur Teilnahme an der "Querdenken"-Demo aufgerufen worden". Die "Querdenker"-Bewegung hat wieder zur Demo gerufen".

Auf die Frage, ob Menschen, die auf dem Weg zum Wasen waren, Masken trugen, sagte der Stuttgarter Polizeisprecher Stefan Keilbach: "Ich sehe hier 20 Leute mit Masken, und das sind Polizisten".

In einem Tweet der Polizei hieß es: "Masken- und Abstandsverstöße werden von uns beweissicher dokumentiert". Ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer Volksfeststimmung bei den Teilnehmern der Versammlung auf dem Marienplatz. "Ich verstehe nicht, dass die Stadt sich sehenden Auges in diese Situation manövriert hat", sagte Ministerialdirektor Uwe Lahl am Samstag. Zuletzt hatte am 20. März eine Demonstration in Kassel mit mehr als 20.000 Menschen für Schlagzeilen gesorgt - erlaubt waren nur 6000. Gäbe es eine solche Verordnung auch aus dem Sozialministerium, "dann wären wir als Stadt aus der Begründungspflicht für ein Verbot raus". Ministerialdirektor Lahl erklärte, aus infektiologischer Sicht sei es falsch gewesen, die Versammlungen nicht zu verbieten. "Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, aber in einer Pandemie gibt es auch dafür Grenzen".

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