GESAMT-ROUNDUP: Merkel und EU setzen auf Macron gegen neuen Nationalismus

Wahl in Frankreich Emmanuel Macron

Die Erwartungen an Macron sind riesig. Viele hatten Macron gewählt um den Einzug der rechtsextremen Marine Le Pen in den Elysees-Palast zu verhindern. Sogar die Kanzlerin, die mächtigste Frau Europas, zählt zu den Bewunderern Macrons und glaubt, dass der gelegentlich stotternde deutsch-französische Motor nun wieder auf Touren kommen könnte.

Euro-Bonds bedeuten die gemeinsame Aufnahme von Krediten durch die EU-Staaten und eine gemeinsame Haftung für einen Teil der europäischen Gesamtverschuldung. Aufatmen, aber keine Euphorie gab es bei Investoren und Ökonomen - ein Kursfeuerwerk an den Börsen blieb aus. Die Gruppierung heißt künftig "La Republique en Marche" (Die Republik in Bewegung).

Dann muss der Präsident mit der Partei regieren, die die Mehrheit in der Nationalversammlung erhält. Seine Vorstellung: Wenn Deutschland die staatlichen Ausgaben beispielsweise für Infrastrukturprojekte erhöhen und sich dafür stärker verschulden würde, hätten die deutschen Bauunternehmer mehr Geld und könnten beispielsweise mehr Peugeot-Fahrzeuge und Wein aus Frankreich kaufen - dann würde Frankreichs Leistungsbilanzüberschuss größer und Deutschlands kleiner.

Seit gestern Abend steht der neue Präsident Frankreichs fest: Emannuel Macron.

Nach Auszählung aller Stimmen gewann Macron laut vorläufigem Ergebnis mit 66,1 Prozent der Stimmen. "Ni Macron ni Le Pen", weder Macron noch Le Pen - die Parole schrien vor allem die Anhänger des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon. Qualifiziert sind alle Bewerber, für die in der ersten Runde mindestens 12,5 Prozent der Wahlberechtigten gestimmt haben.

Hollande reiste am Montag zu seinem Abschiedsbesuch nach Berlin, wo ihn Merkel empfing. Der Antrittsbesuch in Deutschland werde Macrons erste offizielle Auslandsreise sein, sagte seine Beraterin Sylvie Goulard dem Sender CNews. Trump habe seinen Wunsch geäußert, eng mit Macron zusammenzuarbeiten, um die "gemeinsamen Herausforderungen" anzugehen.

Die "Union der islamischen Verbände Frankreichs", kurz UOIF, deutet Macrons Sieg als Zeichen für den "Willen des französischen Volkes, die Werte der Republik ins Zentrum der nächsten Jahre zu stellen". Und weil Merkel und Schäuble um der deutsch-französischen Kooperation willen zur Hilfe bereit sind, läuft das wohl zunächst auf Abstriche an der Sparpolitik und auf einen Investitionsfonds hinaus, der Projekte zum Abbau der Arbeitslosigkeit in Frankreich finanziert. Europa atmet auf, Frankreich hat sich gegen den Front National und damit gegen den EU-Ausstieg entschieden. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani zeigte sich in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag) überzeugt: "Wir erleben in Europa den Anfang vom Ende der Kräfte am rechten Rand". Derart wenig populäre Maßnahmen müssen allerdings europäisch flankiert werden. Hierzulande wird gerne übersehen, dass die Zustimmung der Franzosen zur EU seit über einem Jahrzehnt auf der Kippe steht.

Russlands Präsident Wladimir Putin rief Macron zur Überwindung von gegenseitigem Misstrauen auf.

Ganz und gar uneins sind sich beide jedoch in der Frage, auf welchem Wege diese sichere Zukunft zu erreichen ist. Allerdings dürfte Macron bessere Chancen auf eine parlamentarische Unterstützung haben als Le Pen sie gehabt hätte. Der Wunderknabe Macron wird für Deutschland ein schwieriger Freund.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban gratulierte Macron. Macron habe gezeigt, so der sozialdemokratische Aussenminister Sigmar Gabriel, dass es sich lohne, im Wahlkampf auf Europa zu setzen. Die Bundesregierung wollte damit die Zustimmung zu Fiskalpakt und stärkerer Haushaltskontrolle fördern, ließ den Vorschlag aber wieder fallen, weil die EU-Kommission plötzlich an einem milliardenschweren Solidaritätsetat dachte. Trotzdem weiß man auch in Berlin, dass man Frankreich und Emmanuel Macron entgegen kommen wird müssen, etwa beim so besonders rigoros gehandhabten Sparkurs. "Aber wer denkt, man könnte jetzt die französische Art und Weise zu sein - sich zu geben, zu leben, zu fühlen - einfach einreißen, das geht nicht".

- Es ist in Frankreich üblich, dass der bisherige Premierminister noch vor der Amtsübergabe im Élysée den Rücktritt der Regierung anbietet. Sie werde sich arrangieren - so wie mit drei französischen Präsidenten vor Macron. Euro-Finanzminister, Euro-Parlament und Euro-Haushalt - sie sind bereits im Zuge der Euro-Krise vor einigen Jahren ausführlich diskutiert worden, fanden in Europa aber bisher keine Mehrheit.

Related:

Comments

Latest news

Slot Game Symbols To Wish For
It is widely credited with setting the trend of using playing card symbols on the reels, as well as things like bells. In the online slot world this happens more often than not due to the number of pay lines that are genuinely present.

Sky-Moderator lässt seinen Kaffee umrühren
Der Kicker aus der Elfenbeinküste absolvierte vor gut zwei Jahren mit dem FC Chelsea sein letztes Spiel in der Champions League. Nach dem Motto: Bei uns können sich die Moderatoren voll auf das Wesentliche konzentrieren?

Explosion in Rom: Terror nicht ausgeschlossen
Inzwischen hat die Polizei auf dem Parkplatz der Post einen Sprengsatz zwischen zwei Autos gefunden. Demnach war es ein "rudimentärer" Sprengsatz, Details wurden nicht genannt.

Favre könnte beim BVB auf Tuchel folgen
Obwohl Tuchel in Dortmund einen Vertrag bis 2018 hat, scheinen seine Tag im Sommer gezählt zu sein. Zwischen ihm und den Spielern, betonte Tuchel eindringlich, "gilt maximales Vertrauen".

Telekommunikation: United Internet schluckt Drillisch
Gesprächsthema ist die Milliardenübernahme im Telekommarkt: United Internet will das Mobilfunkunternehmen Drillisch schlucken. Für den größten Teil der Transaktion braucht Drillisch die Zustimmung von 75 Prozent der Aktionäre.

Other news