Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Chef Müller

Hauptversammlung von Volkswagen Beim Treffen im vergangenen Jahr rechneten die Aktionäre mit den VW-Managern ab- auch heute droht Gegenwind

Das könnte schwierig werden. Allerdings bezieht sich der Vorwurf auf Müllers Tätigkeit als Vorstand der VW-Dachgesellschaft Porsche SE.

Vor einem Jahr war Tag der Abrechnung nach Auffliegen des Diesel-Skandals - und auch jetzt gibt es noch viel Kritik. Die lange schwächelnde Hauptmarke VW hatte ihre Ertragskraft zu Jahresbeginn deutlich gesteigert. Die Finanzaufsicht BaFin hat Anzeige gegen mehrere ehemalige Vorstände der Porsche Automobilholding SE erstattet. Zu der Frage, ob inzwischen auch ermittelt werde, wollte er sich nicht äußern. Ein Porsche-Sprecher sagte NDR 1 Niedersachsen, das Unternehmen habe keine Kenntnis von möglichen Ermittlungen.

Natürlich weiß Hans Dieter Pötsch, dass auch seine zweite Hauptversammlung als VW-Aufsichtsratschef kein Spaziergang wird.

Von den Abgas-Manipulationen, die Volkswagen im September 2015 auf Druck der US-Behörden einräumen musste, sind weltweit insgesamt elf Millionen Autos betroffen - nicht nur Autos der Kernmarke VW, sondern auch Modelle anderer Marken wie Seat und Skoda. Danach brach der Börsenkurs ein.

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (l) und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats bei der letztjährigen Hauptversammlung des VW-Konzerns. Die Ermittlungsergebnisse von Jones Day seien in das sogenannte "Statement of Facts" des US-Justizministeriums eingeflossen, darin räumt VW den Betrug in Amerika ein. Müller sagte, VW habe für Anwälte und anwaltliche Berater bisher einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag ausgegeben.

Müller reagierte damit auf die anhaltende Debatte um die Zukunft von Diesel-Motoren in Deutschland, die sich seit dem Skandal bei VW entwickelt hatte. Der Fondsmanager Andreas Thomae von Deka Investment vermutete, dass die Ergebnisse der Untersuchungen wohl unter Verschluss gehalten würden, weil sie VW nicht gefielen.

"Ihr Verweis auf das, Statement of Facts' ist inhaltlich unzureichend und nahezu beleidigend", kritisierte auch Christian Strenger, ein Fachmann für ordnungsgemäße Unternehmensführung. Pötsch argumentierte damit, dass Volkswagen aus rechtlichen Gründen daran gehindert sei, einen solchen Bericht zu veröffentlichen. Der VW-Großaktionär Niedersachsen hatte auf der vergangenen Hauptversammlung dem im Skandal zurückgetretenen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess den Vertrauensbeweis verweigert. Neben Müller waren auch die anderen Genannten damals für die Beteiligungsgesellschaft tätig: Winterkorn war PSE-Chef, Pötsch Finanzvorstand. "Wir als Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen müssen alles tun, um weitere Schäden vom Unternehmen abzuwenden", sagte er. Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte mit Blick auf die Vorstände: "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nichts, was Organmitglieder belastet". Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 10,3 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro.

Der Konzern hat weltweit bereits knapp die Hälfte der manipulierten Dieselmotoren umgerüstet. "Er verursacht Reibung. Und manchmal kracht es auch", sagte Konzernchef Matthias Müller heute, Mittwoch, vor den Aktionären in Hannover.

Auf der Haben-Seite dürfte stehen: Die Geschäfte laufen, auch wenn der Diesel-Anteil an den verkauften Autos in Deutschland sinkt. Die US-Autogewerkschaft UAW will die große Bühne der Hauptversammlung nutzen und im Streit um die Mitbestimmung im US-Werk von Volkswagen in Chattanooga den Druck auf den VW-Vorstand erhöhen. "Auch deshalb sind wir trotz aller Herausforderungen zuversichtlich, dass 2017 noch besser wird als 2016", sagte Müller.

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