Experten befürchten neue Angriffe nach Stopp der Cyber-Attacke

Mindestens 16 britische Krankenhäuser wurden durch eine Cyber Attacke lahmgelegt

Die beispiellose Cyberattacke legte seit Freitag weltweit Computersysteme lahm, Europol sprach von mehr als 200.000 Opfern in mindestens 150 Ländern.

Die Auswirkungen des massiven Cyberangriffs von Freitagabend sind auch am Sonntag noch spürbar.

Weiterdreh Cyber-Attacke- BKA ermitteltNach dem weltweiten Cyber-Angriff werden die betroffenen Anzeigetafeln der Deutschen Bahn noch "einige Zeit gestört bleiben".

An den Bahnhöfen gebe es derzeit noch technische Störungen an den digitalen Anzeigentafeln. "Es gibt keinen zentralen Server, der die Tafeln steuert", sagte der Sprecher. Betroffen von dem Cyberangriff waren vorübergehend auch die Videoüberwachung an Bahnhöfen sowie vereinzelt Fahrkartenautomaten.

Am stärksten getroffen hat die Attacke Großbritannien. Erst zum Samstagabend normalisierte sich die Lage weitgehend. Betroffen waren unter anderem der französische Autobauer Renault, der spanische Telefon-Riese Telefónica sowie Ministerien, Banken und Eisenbahn in Russland. Beim russischen Innenministerium fielen rund 1000 Computer aus. In Schweden waren 70 Computer der Gemeinde Timrå betroffen, in Portugal der Telekom-Konzern Portugal Telecom. Die Rechner wurden am vergangenen Freitag von Erpressungstrojanern befallen, die sie verschlüsseln und Lösegeld verlangen. Daraufhin erscheint eine "Lösegeldforderung", nach deren Zahlung der PC angeblich wieder freigegeben wird.

Bisher ist unklar, ob es wie in einigen früheren Fällen gelingen könnte, den Verschlüsselungsmechanismus der Angreifer auszuhebeln. "Dort werden viele sensible Daten verarbeitet". Der Bahnverkehr in Deutschland etwa war nicht beeinträchtigt. Die Waffe der Angreifer war jetzt Experten zufolge die Schadsoftware "Wanna Decryptor", auch bekannt als "Wanna Cry". Die Angreifer nutzten eine Sicherheitslücke im Betriebssystem Windows und setzten eine Schadsoftware ein, die Computerdaten verschlüsselt und nur gegen Geld wieder freigibt. Im Februar 2016 traf eine derartige Attacke mehrere Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen. Laut öffentlich gewordenen Insider-Informationen ist die Lücke in Windows sogar eigens für einen Geheimdienst entwickelt worden. BSI-Präsident Arne Schönbohm bezeichnete den Angriff vor diesem Hintergrund nicht zufällig als "erneuten Weckruf". Offenbar ist der "Zufallsheld" ein 22-jähriger IT-Experte, der nie eine Universität besucht hat - und noch bei seinen Eltern wohnt. Bisher nahmen die Erpresser nach Erkenntnissen von IT-Sicherheitsforschern, die Bewegungen auf Bitcoin-Konten beobachten, allerdings nur wenige Zehntausend Dollar ein.

Am Freitag hatten die Folge der Attacke viel Aufsehen erregt. Nutzer sollten jetzt erst recht die aktuellen Update aufspielen. Das Bundeskriminalamt hat Ermittlungen aufgenommen. Nach Einschätzung der europäischen Ermittlungsbehörde Europol hatte der Angriff ein bisher "beispielloses Ausmaß" und regte ein internationales Vorgehen der Behörden an, um die Hintermänner zu finden.

Der Chef der Behörde, Rob Wainwright sagte: "Momentan sehen wir uns der Gefahr einer Eskalation gegenüber". Er rechnet mit weiter steigenden Zahlen zu Beginn der neuen Arbeitswoche.

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