Analyse: Rückenwind aus Berlin half NRW-CDU - Rot-Grün abgestraft

Niema Movassat in Oberhausen

"Wir wollen nicht mehr Schlusslicht sein, wir wollen in die Spitze der deutschen Länder", sagte Laschet.

Düsseldorf - Die CDU hat die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen spektakulär gewonnen und der SPD damit die bislang schwerste Niederlage im Superwahljahr 2017 beigebracht. Die SPD regiert in ihrer Herzkammer an Rhein und Ruhr seit 1966. Wie die Forschungsgruppe Wahlen am Sonntagabend schrieb, genoss Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel im bevölkerungsreichsten Bundesland ein deutlich höheres Ansehen (2,2) als SPD-Herausforderer Martin Schulz (1,0).

Wenn bis zur Bundestagswahl im Herbst "nichts Gravierendes mehr passiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Union die Wahl gewinnen wird, also vor der SPD landen wird, sehr hoch". "Der Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen, aber er steht noch", sagte SPD-Vize Ralf Stegner. Mit 7,4 bis 7,8 Prozent zieht erstmals die AfD in den Düsseldorfer Landtag ein.

Die seit 2010 regierende Koalition aus Krafts SPD und den Grünen verliert damit in Düsseldorf ihre Mehrheit. Die Linkspartei schaffte laut musste hingegen zittern, ob ihr der Sprung in den Landtag gelingt. Nach ersten Hochrechnungen deutete vieles darauf hin, dass es in NRW nun zum ersten Mal eine große Koalition geben dürfte. Aber die SPD hat ihre fast schon irrwitzige Aufholjagd in den Umfragen in kein einziges echtes Wahlergebnis ummünzen können.

Anders als vor einer Woche in Schleswig-Holstein kann als Ausrede für die rote Niederlage auch kein peinliches Interview, gegeben vom Regierungschef, herangezogen werden. Dies sei "ein riesiger Erfolg und auch Rückenwind" für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sagte der Parlamentsgeschäftsführer der Union im Bundestag, Michael Grosse-Brömer.

Ein Labor für Rot-Grün: Nordrhein-Westfalen war zwar nicht Vorreiter für Rot-Grün, aber es erinnert an einen entscheidenden Schritt zu dieser Koalition im Bund. Die Wahlbeteiligung lag bei laut ZDF bei 66 Prozent - nach 59,6 Prozent im Jahr 2012.

Rund 13,1 Millionen Bürger waren in Nordrhein-Westfalen zur Wahl des neuen Landtags aufgerufen. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren kann die CDU nicht nur einen, sondern gleich zwei Ministerpräsidenten innerhalb eines Jahres aus dem Amt verdrängen.

Diese Landtagswahl ist ein politisches Erdbeben, kommentiert NN-Chefredakteur Alexander Jungkunz - mit Folgen bis zur Bundestagswahl. Die SPD war auf ihr schlechtestes NRW-Ergebnis zurückgefallen, auch die Grünen mussten schwere Verluste hinnehmen. Im Landtag vertreten sind auch die deutlich gestärkte FDP, die AfD sowie die Grünen.

Sowohl SPD als auch CDU haben im Wahlkampf eine große Koalition nicht ausgeschlossen. Die rot-grüne Politik der vergangenen Jahre sei schlecht für die Menschen und schlecht für NRW gewesen. Die CDU wird mit Armin Laschet den nächsten Ministerpräsidenten stellen. AfD-Chef Meuthen meinte, seine Partei werde bei der Bundestagswahl deutlich stärker sein als in NRW. Kam die SPD bei der letzten Landtagswahl noch auf 39,1 Prozent sackte sie jetzt auf 31,1 Prozent ab. 2012 wählten sie noch 11,3 Prozent. Außerdem waren die FDP mit 8,6 Prozent (22 Sitze) und die Piraten (7,8 Prozent / 20 Sitze) vertreten.

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