IT-Experte befürchtet noch schlimmere Cyber-Attacke

Die Website des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes NHS informiert auf seiner Internetseite über Probleme mit der IT. Eine groß angelegte Cyber Attacke hat in England Computer in mehreren Krankenhäusern und ihren Trägerorganisationen lahmgeleg

Die Institutionen und Agenturen der Europäischen Union sind nach Angaben eines EU-Kommissionssprechers bisher nicht von der weltweiten Cyber-Attacke betroffen. Doch solange es Computer mit der ausgenutzten Sicherheitslücke gibt, sind immer neue Angriffswellen zu erwarten.

Von den massiven Cyber-Attacken mit Erpressungstrojanern am Freitag waren Unternehmen und Behörden in verschiedenen Ländern betroffen. Ich gehe davon aus, dass es von dieser Attacke früher der später eine weitere Welle geben wird. "Da ist viel Geld im Spiel".

In mehreren Ländern warnten Behörden davor, den Geldforderungen nachzukommen, da es keine Garantie gebe, dass die Daten auf den betroffenen Computern tatsächlich wieder freigegeben würden. Es sei kein großer technischer Aufwand, eine neue Angriffswelle zu starten, sagte er dem Sender BBC.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass die Attacken am Freitag auch bei den betroffenen Infrastruktur-Unternehmen nicht die kritischen Systeme niederrissen. Der anonyme britische Experte hatte im Code der Schadsoftware eine von den Autoren eingebaute "Notbremse" gefunden, die er auch auslöste und damit die Ausbreitung des Erpressungstrojaners vorerst stoppte. Das Bundeskriminalamt (BKA) leitete Ermittlungen ein. Wer bis zum 15. Mai nicht bezahlt hat, soll dann bereits 600 Dollar rausrücken - und am 19. die Mai werden die verschlüsselten Daten angeblich verschwinden. Diesmal wird das aber allein schon durch das kurze Zeitfenster erschwert.

Üblicherweise muss erst der Nutzer eines Computers dem Trojaner die "Tür" öffnen, etwa wenn er einen Link in einer E-Mail anklickt.

Bei einer Ransomware-Attacke befällt schädliche Software einen Computer und hält die darauf gespeicherten Daten gewissermassen in Geiselhaft. Er warf dem US-Geheimdienst NSA vor, eine Sicherheitslücke im Betriebssystem Windows für seine eigenen Zwecke genutzt zu haben.

Bereits in der Vergangenheit hatte es in Deutschland größere Hackerangriffe mit Erpressungssoftware gegeben.

Der Europol-Chef rechnet mit noch mehr Fällen zu Beginn der neuen Arbeitswoche, wenn Menschen in aller Welt an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und ihre Rechner hochfahren.

Noch am Samstag veröffentlichte Microsoft eine Anleitung zum Schutz der Systeme und stellte auch Sicherheits-Updates für ältere Windows-Versionen bereit, die eigentlich nicht mehr gewartet werden. Die Attacke traf laut Experten viele XP-Rechner. "Also kann ich zu meinem Lebenslauf hinzufügen: Habe durch Zufall eine internationale Cyber-Attacke gestoppt", schrieb er bei Twitter. Betroffen waren auch der amerikanische Versanddienst FedEx, die spanische Telefonica oder der französische Autobauer Renault, wo vorübergehend die Produktion eingestellt wurde.

Bei der Deutschen Bahn fielen teilweise digitale Anzeigetafeln sowie Ticketautomaten an Bahnhöfen aus. Auch die Technik zur Videoüberwachung war einem Sprecher des Bundesinnenministeriums zufolge betroffen. Die Deutsche Bahn kämpfte weiter mit den Auswirkungen des Angriffs. Nach Angaben des Konzerns war der bundesweite Zugverkehr allerdings nicht beeinträchtigt.

Innenminister Thomas de Maiziere sagte, Regierungsnetze seien nicht betroffen: "Dieser Angriff ist nicht der erste seiner Art". Bisher nahmen die Erpresser nach Erkenntnissen von IT-Sicherheitsforschern, die Bewegungen auf Bitcoin-Konten beobachten, allerdings nur wenige Zehntausend Dollar ein. Solche Software ist permanent im Netz unterwegs und hat Verbraucher und Unternehmen im Visier.

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