Nordrhein-Westfalen: Machtwechsel in Nordrhein-Westfalen

Ein strahlender Wahlsieger Armin Laschet bei einem früheren Termin

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis ist neben einer großen Koalition unter Führung des CDU-Wahlsiegers Armin Laschet auch eine schwarz-gelbe Koalition denkbar - mit knapper Mehrheit. Wenige Minuten später tritt Hannelore Kraft auf die Bühne, Pfiffe mischen sich in den höflichen Applaus. Die FDP erzielt ein Rekordergebnis.

Die CDU hat die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen.

Deshalb erschüttert das historisch schlechte Abschneiden der SPD die Sozialdemokraten gleich doppelt: Da ist zum einen der Verlust des Stammlandes - und zum anderen das schlechte Omen für die Bundestagswahl in vier Monaten. CDU-Herausforderer Armin Laschet galt gestern Abend als der sichere kommende Ministerpräsident. Wenn doch, braucht die CDU einen dritten Partner - oder muss auf die SPD zugehen für eine grosse Koalition. In den Umfragen legte die CDU vor der Landtagswahl auch immer weiter zu, hatte am Ende die Nase sogar leicht vorn.

Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte die SPD unter Hannelore Kraft mit 39,1 Prozent und 99 Sitzen noch deutlich vor der CDU (26,3 Prozent, 67 Sitze) gelegen.

Die FDP konnte mit 12 Prozent starke Zugewinne verbuchen (2012: 8,6). Vor fünf Jahren hatte die SPD diesen Weg genutzt, um ihren im Wahlkreis gescheiterten Fraktionschef Nobert Römer ins Parlament zu bringen: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) machte einen Abgeordneten zum Staatssekretär, und der gab sein Mandant zurück - Römer rückte nach. "Wir haben eine krachende Niederlage hinnehmen müssen", gestand SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz ein.

"Wir müssen überlegen, was war mein Anteil daran", sagte Schulz, auch wenn vor allem über Landespolitik abgestimmt worden sei. Denn die dritte Schlappe in Folge, das 0:3 für den Ex-Fußballer Schulz im eigenen Stammland, kann nur als Menetekel für die Bundestagswahl gewertet werden - auch wenn Kraft mit ihrem Rücktritt sogleich Druck vom Parteichef nehmen wollte. Außer mit AfD und Linken werde er ab Montag "mit allen demokratischen Parteien sprechen", so Laschet. Die Liberalen haben eine Ampel mit SPD und Grünen aber ausgeschlossen, die Grünen ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP. Ein Problem bleibt der SPD-Zickzackkurs in der Koalitionsfrage: Rot-Rot im Saarland, Rot-Grün oder dann eben doch die Ampel in Schleswig-Holstein, zur Not auch große Koalition in NRW - wofür steht die Partei?

NRW-WAHL: Großer Erfolg für die FDP mit Lindner Christian Lindner sieht im NRW-Ergebnis ein Signal für das Comeback der FDP. "Ich bin nämlich nicht der Wunsch-Koalitionspartner von Herrn Laschet und er nicht meiner", sagte Lindner am Sonntagabend in der ARD. Als Knackpunkte gelten jedoch die Bereiche innere Sicherheit und Bildung. Die Wahlbeteiligung war deutlich höher als in bei der vergangenen Wahl: Sie stieg auf 66 Prozent (2012: 59,6 Prozent). Allerdings sind Krafts Zustimmungswerte seit dem letzten Politbarometer aus NRW von Februar auf 51 Prozent (Februar: 55) gesunken, während Laschet auf 33 Prozent (29) zulegte. Die Sozialdemokraten regierten mit einer Ausnahme seit gut 50 Jahren in NRW. Für das Land pocht er auf liberale Eigenständigkeit: "Eine schwarz-gelbe Mehrheit heißt aber nicht, dass es eine schwarz-gelbe Regierung gibt". Die Piraten zogen mit 7,8 Prozent in den Landtag ein.

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