Solarworld-Insolvenz: Ungewissheit für tausende Mitarbeiter

Ministerium zu Solarworld Schwerer Schlag für Mitarbeiter. Martin Dulig

Hier beschäftigt Solarworld nach Angaben vom Freitag noch 735 Mitarbeiter. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, haben die Geschäftsführungen der Solarworld Industrie Thüringen GmbH sowie die Konzerntochter im sächsischen Freiberg ebenfalls entsprechende Anträge beim Amtsgericht in Bonn gestellt. Davon überzeugte sich am Freitag bei einem Besuch des Werks auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Die entscheidende Frage dürfte aber die Suche nach einem Investor sein. Ähnlich äußerten sich Vertreter des Betriebsrats. Der Vorstand um Frank Asbeck sehe angesichts des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen keinen anderen Ausweg mehr: Die Konzernspitze sei "nach umfassender Prüfung" zu der Überzeugung gelangt, dass "keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht, die Gesellschaft damit überschuldet ist und somit eine Insolvenzantragspflicht be- steht", hieß es. "Seither boomen die Erneuerbaren Energien zwar weltweit immer mehr - dank der deutschen Vorgaben, nicht aber in Deutschland".

Tiefensee warnte davor, das Ende der Solarwirtschaft in Deutschland herbeizureden. Eine Stilllegung hätte auch fatale Folgen für die Solarforschung.

Thüringen werde dabei nach den Möglichkeiten des Landes Unterstützung leisten.

Derzeit beschäftige Solarworld 814 Arbeitnehmer in Arnstadt, die vor allem Solarzellen herstellen, sagte ein Firmensprecher in Bonn.

Mit der Insolvenz des Solarmodulherstellers sind auch am Thüringer Produktionsstandort Hunderte Arbeitsplätze akut gefährdet. Dieser hat eine Solarworld-Tochter auf Zahlung von 800 Millionen Dollar verklagt, weil sie Silizium anders als vereinbart nicht abgenommen hat. Es gebe noch liquide Mittel, der Maschinenpark sei sehr modern. Der 63-Jährige hat sich mit zahlreichen erfolgreichen Einsätzen bundesweit einen Namen gemacht. So schaffte er es 2002 beim insolventen Oberhausener Babcock-Konzern, trotz der Pleite die Mehrzahl der rund 21.000 Jobs zu retten. Er muss jetzt entscheiden, ob etwa neues Material gekauft und damit die Produktion fortgesetzt werden darf. Deutschlandweit beschäftigte Solarworld rund 2600 Menschen in der Bonner Zentrale, in Arnstadt und in Freiberg (Sachsen).

Solarworld hatte am Donnerstag offiziell Insolvenz für die Konzernmutter Solarworld AG angemeldet.

Das Unternehmen macht für sein Scheitern vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis in den Keller gedrückt hätten. Mit Blick auf eine Zukunftslösung und die Investorensuche sei es wichtig, einen produzierenden Standort zu haben, sagte der SPD-Politiker. Der für viele Anleger und Mitarbeiter überraschende Insolvenzantrag für die Unternehmensmutter beschäftigt auch die Finanzaufsicht Bafin.

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