Legal - Illegal? Enthüllt: Deutsche Konzerne benutzen Malta um womöglich Steuern zu drücken

Legal - Illegal? Enthüllt: Deutsche Konzerne benutzen Malta um womöglich Steuern zu drücken

Die fette Beute, die sie beim Überfall auf Handelsschiffe machten, brachte der Insel damals einen gewissen Wohlstand.

Berlin (dts) - Viele deutsche Konzerne nutzen offenbar in großem Stil Tochterfirmen auf Malta, um ihre Steuern hierzulande zu drücken. Das geht aus tausenden Dokumenten hervor, die der SPIEGEL gemeinsam mit seinen Partnern vom Recherchenetzwerk European Investigativ Collaborations (EIC) ausgewertet hat.

Dem EIC waren in den vergangenen Monaten zwei Datensätze, die sogenannten MaltaFiles, zugespielt worden. Die Papiere erlauben einen tiefen Einblick in das maltesische System von Firmengründungen und legen die Inhaber dortiger Firmen offen.

Auf Malta anfallende Gewinne müssen ausländische Unternehmen im besten Fall nur mit knapp sechs Prozent versteuern. Dem Spiegel zufolge gibt es jedoch Zweifel daran, dass die Unternehmenstöchter auf Malta wirklich alle operativ tätig sind. Nach den Recherchen des "Spiegel" ist es jedoch fraglich, ob tatsächlich alle Malta-Töchter deutscher Konzerne dort auch operativ tätig sind. Allein die Lufthansa habe auf Malta 18 Unternehmenstöchter, etwa die Flugzeugwartung, das Flugzeug-Leasing oder die firmeneigene Pensionskasse, heißt es in dem Bericht. Ferner teilen sich wohl die Malta-Ableger von Autovermieter Sixt, BASF und der Geflügel-Baron Erich Wesjohann nicht nur eine Büroetage, sondern auch eine einzige Klingel. Gleiches ließ sich beim Rohstoffkonzern K+S und der Automobilsparte von Rheinmetall feststellen. Viele der anderen Firmentöchter auf Malta stünden gar nicht im Telefonbuch oder seien nicht erreichbar. Malta ist noch bis Ende Juni EU-Ratspräsident und hat Versuche anderer Mitgliedsstaaten, seine Steuerprivilegien abzuschaffen, erfolgreich abgewehrt. Der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjahns, der in der Vergangenheit mehrfach aus dem Ausland CDs mit Daten von deutschen Steuerhinterziehern angekauft hat, hatte Malta kürzlich als "Panama Europas" bezeichnet.

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