Lindner sieht in NRW-Ergebnis Signal für Comeback der FDP

Armin Laschet

So sehen Sieger aus. Sie hat sich gelohnt.

"Wir freuen uns sehr", sagte der Spitzenkandidaten der Liberalen am Sonntag im ZDF.

Kubicki und Lindner haben sich zu zwei Identifikationsfiguren entwickelt, die untrennbar mit der FDP verbunden sind. Oder gar eine Neuauflage der schwarz-gelben Koalition?

Aber will Lindner das?

Eigentlich war die Abschlusskundgebung in der Düsseldorfer Innenstadt schon vorbei, rappelvoll mit mehr als 1000 Zuschauern, da machte er die Bewegung eines Vogels. Viel mehr Herzlichkeit ist auch am nächsten Tag nicht zu spüren. Unverständnis dürfte ihm jedoch entgegenschlagen, sollte die FDP die unverhoffte schwarz-gelbe Regierungsoption in NRW aus rein bundestagswahltaktischen Gründen ausschlagen. Es wäre aber unklug, jetzt zu viel Lust an der Macht zu zeigen. Die Nordrhein-Westfalen wussten, dass sie Lindner loswerden, wenn er erfolgreich sein sollte, und in Düsseldorf der kaum bekannte Joachim Stamp übernehmen würde. "Umso eigenständiger gehen wir in diese Wahlperiode". Und auch kein blindes Vertrauen zur Union wie zuletzt im Wahljahr 2009, als es zwar wieder für ein schwarz-gelbes Zusammengehen im Bund reichte, aber CDU und CSU den kleinen Koalitionspartner mit seinen groß angelegten Steuersenkungsplänen eiskalt ins Leere laufen ließen.

Wie auch immer die Sache in Düsseldorf ausgeht, für Lindner ist das Ziel klar.

Nachdem die FDP in der Vergangenheit aus mehreren Landtagen ausgeschieden und 2013 auch aus dem Bundestag geflogen war, findet sie sich jetzt wieder im Aufschwung: 11,5 Prozent gab es bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein Anfang Mai, jetzt 12,6 Prozent in Nordrhein-Westfalen - das beste Ergebnis aller Zeiten. An diesem Wahlsonntag lacht Christian Lindner. Lindner hingegen kommt ohne jede Begleitung, er gibt also wieder die One-Man-Show, die man ihm so oft vorwirft. 12 Prozent plus für eine Partei, die seit fast vier Jahren nicht mehr im Bundestag vertreten ist und vor nicht allzu langer Zeit noch als klinisch tot galt: Mit diesem fulminanten Ergebnis in seinem Stammland hat der junge Vorsitzende seine Partei endgültig zu einer One-Man-Show gemacht und zugleich die Erneuerung der FDP abgeschlossen - von der Steuersenkungspartei der Westerwelle-Ära hin zu einer geläuterten politischen Kraft, die wieder eine Rolle spielt. Drittstärkste Kraft. Dass es nun vielleicht für Schwarz-Gelb im roten Kernland reichen könnte, damit konnte nun wirklich niemand rechnen.

Warum löst eine Regierung mit der CDU bei Lindner wenig Euphorie aus? Die Schmach von 2013, als die FDP zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte an der Fünfprozenthürde scheiterte, will er wiedergutmachen.

Um Punkt 18.01 Uhr hatte er am Wahlsonntag seine Profilierungskampagne zur Bundestagswahl gegen die CDU gestartet, weil er zu dem Zeitpunkt davon ausgehen konnte, dass die Christdemokraten nun auch in NRW mit der SPD als Juniorpartner koalieren würden.

Bereits vor vier Jahren bekannte er sich zu seinen Berliner Ambitionen.

Lindner hat aus der Geschichte seiner Partei gelernt.

Dies teilte eine Parteisprecherin am Montag mit. Sie entscheidet vor Ort, welche Konstellation geht und welche nicht. Nur: Wie gut verkauft er seine Partei in möglichen Koalitionsgesprächen mit der CDU? Apropos Facebook: Wie kein anderer hat Lindner in NRW die digitalen Medien für sich genutzt.

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