WannaCrypt-Angriff ist Weckruf an Regierungen — Microsoft

Rund 200.000 Computer wurden alleine in China infiziert. Microsoft hatte zwar bereits im März ein Patch zum Schließen der Sicherheitslücke veröffentlicht, doch das war auf den betroffenen Computern nicht installiert worden.

Vorsichtig Entwarnung gaben neben der Schweiz auch die Behörden mehrerer anderer Länder - so Deutschlands, Frankreichs und der USA.

"Dazu kam es zum Glück nicht", sagte ein Europol-Sprecher in Den Haag. Österreich ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Der globale Cyber-Angriff hatte am Freitag nach Angaben von Europol mindestens 150 Länder sowie 200 000 Organisationen und Personen getroffen. Vor allem China war am meisten betroffen.

Nach Einschätzung des IT-Experten Ralf Sydekum sind Unternehmen derzeit besonders anfällig für Cyber-Angriffe.

In Großbritannien wurden sogar zahlreiche Kliniken lahm gelegt. Europol sprach von einer "beispiellosen" Cyberattacke.

Hunderttausende Rechner weltweit wurden infiziert, die Daten verschlüsselt. Auf dem Bildschirm erscheint lediglich die Aufforderung, innerhalb von drei Tagen 300 US-Dollar in der Internet-Währung Bitcoin zu überweisen. Sollte binnen sieben Tagen keine Zahlung eingehen, würden die verschlüsselten Daten gelöscht. Nur sehr wenige Opfer hätten bezahlt. Bei der Attacke nutzte die Schadsoftware eine Sicherheitslücke in nicht aktualisierten Microsoft-Betriebssystemen.

Wenn die Lücke schon seit Monaten bekannt war, warum wurde sie nicht geschlossen?

Microsoft kritisiert massiv den US-Geheimdienst NSA. Anstatt die Lücken für ihre Zwecke auszunutzen, sollten sie verpflichtet werden, zur schnellen Absicherung dieser Schwachstellen beizutragen. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte bereits am Freitagabend Vorermittlungen zu den Cyber-Attacken aufgenommen.

Die Attacke zeige, dass Regierungen weltweit dringend ein gemeinsames Vorgehen für solche Fälle abstimmen müssten. Ungeachtet der Warnungen gingen einige Opfer aber offenbar auf die Lösegeldforderungen ein. Auch Grossbritannien, wo die Kriminellen mehrere Spitäler teilweise lahmgelegt hatten, blieb von einer zweiten Attacke verschont.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums wies die Vorwürfe für deutsche Regierungsstellen zurück. Es bleibt weiterhin unklar, wer hinter dem weltweiten Angriff steht. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Doch selbst wenn man zahlt, ist keinesfalls garantiert, dass man einen Schlüssel erhält, mit dem man wieder auf seine Daten zugreifen kann. Bis Sonntagmittag waren noch 20 Prozent aller Tankstellen offline.

Ein britischer IT-Forscher hatte die globalen Angriffe am Wochenende durch einen glücklichen Zufall gestoppt. Der 22-Jährige, der als Held gefeiert wurde, widersprach in seinem Blog "MalwareTech" britischen Medienberichten, wonach er nun um sein Leben fürchten müsse. Weitere 5.471 Adressen in Peking, Shanghai und Küstenprovinzen wie Guangdong oder Zhejiang seien wahrscheinlich angesteckt. "Intranets in vielen Industrien und Unternehmen, einschließlich Banken, Bildung, Elektrizität, Gesundheitswesen und Transport, sind in unterschiedlichem Ausmaß betroffen", hieß es.

In Japan meldete der Technologiekonzern Hitachi, dass es Probleme mit dem Senden und Empfangen von E-Mails und dem Öffnen von Anhängen gab. Welche Computer in Japan und im Ausland genau betroffen seien, werde noch untersucht.

Indonesien hat seine Behörden und Unternehmen am Montag zu verstärkten Anstrengungen beim Schutz von Computern aufgerufen. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta waren zwei Spitäler betroffen.

In Thailand hatte der Angriff nach offiziellen Angaben keine größeren Auswirkungen.

Auch die Bahn ging am Sonntag davon aus, dass ihre Anzeigetafeln "noch einige Zeit" gestört bleiben würden, weil die Software dafür nicht zentral gesteuert werde.

Auch die Bundesregierung erklärte, der Cyberangriff sei im Wesentlichen gestoppt.

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