Abschiebeflug nach Afghanistan wegen Anschlags in Kabul verschoben

Die Bundesregierung sagte kurzfristig einen Abschiebeflug nach Kabul ab, hält aber an der Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern aus Afghanistan in ihre Heimat fest.

Was für eine zynische Logik: Es bedarf erst eines schweren Anschlags nahe der Deutschen Botschaft, damit die Bundesregierung endlich versteht, dass Afghanistan nicht sicher ist.

Bisher hat Deutschland in fünf Sammelflügen 106 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.

Die Bundesregierung hat einen für heute geplanten Abschiebeflug nach Afghanistan wegen des schweren Anschlags in Kabul abgesagt. Mayer sagte der "Huffington Post", auch künftig sollte "vor jeder Abschiebung eine konkrete Einzelfallprüfung" erfolgen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin wurde ein afghanischer Wachmann, der für eine lokale Sicherheitsfirma arbeitete, getötet, eine entsandte deutsche Botschaftsmitarbeiterin wurde leicht verletzt, eine afghanische Mitarbeiterin schwer.

Bei dem Autobombenanschlag im Kabuler Diplomatenviertel sind nach Angaben der afghanischen Regierung am Mittwoch mindestens 80 Menschen getötet worden.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen und Verbände - darunter Pro Asyl und Amnesty International - forderten am Dienstag einen sofortigen Stopp aller Abschiebungen nach Afghanistan. Bei einem Bombenanschlag in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft in Kabul waren am Mittwoch mindestens 80 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten liege bei 350, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Dem afghanischen Innenministerium zufolge sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Lkw in die Luft.

Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin äußerst instabil Die Sicherheitslage in Afghanistan ist weiterhin äußerst instabil. Auch ein afghanischer Wächter der deutschen Botschaft kam ums Leben, zudem wurden mehrere Bedienstete verletzt. Ein afghanischer Sicherheitsbediensteter, der zum Schutz des Botschaftsgeländes im Einsatz war, sei umgekommen. An der generellen Linie der Regierung in dieser Frage ändere sich nichts. Die Taliban bestritten, für die Attacke verantwortlich zu sein, zunächst bekannte sich auch keine andere Extremistengruppe zu der Tat. Der Anschlag wurde im dichten Morgenverkehr verübt, das Ziel ist unklar. Bei den Opfern handelte es sich nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium überwiegend um Zivilisten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag und rief wieder einmal zum entschlossenen Kampf der Weltgemeinschaft gegen den Terrorismus auf. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten eine meterhohe Staubwolke, die über der Stadt aufstieg. Mehr als 50 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt. Die Menschen würden in den Tod geschickt.

Dieser Artikel wurde am Mittwoch gegen 12.13 Uhr aktualisiert.

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