Abstieg, Rücktritte, Randale: Chaos-Club 1860 liegt in Trümmern - Abstieg mit Schande

Am Boden

Randalierende Fans sorgen beim Abstieg von 1860 München für ein schlimmes Schlussbild der nationalen Fußballsaison.

Das ist ohne Zweifel äußerst bitter für die Löwen: 35 Jahre nach dem Zwangsabstieg des TSV 1860 und nach 13 Jahren in Liga zwei, spielt der Traditions-Verein aus Giesing ab nächster Saison drittklassig. Hasan Ismaik aus Jordanien ist bei den handzahmen Löwen mit einer Rücksichtlosigkeit einmarschiert wie dereinst die Kolonialherren in vielen Ländern Afrikas. Gibt es überhaupt eine Lizenz für die dritte Liga? Aber wer setzt die Planungen fort und um? Präsident Peter Cassalette trat nach dem 0:2 (0:2) im Rückspiel der Relegation gegen Jahn Regensburg noch am Dienstagabend zurück. Geschäftsführer Ian Ayre war schon vor dem Spiel geflüchtet.

Die Schlussbilder waren besonders beschämend für jene 1860-Fans, die dem Verein stets die Treue halten, gemäß dem Motto: "Einmal Löwe, immer Löwe".

Zuschauer hatten ihre "60er" in der verhassten Allianz Arena des Stadtrivalen beim Abstiegsfinale noch besucht. Ein gewaltbereiter Teil der Anhänger versuchte nach 80 Minuten, einen Spielabbruch zu provozieren. Die Stimmung kippte, irgendwann wurden Sitzschalen und Stangen aufs Feld geworfen wurden. Schiedsrichter Daniel Siebert musste die Partie in der 81. Minute für eine knappe Viertelstunde unterbrechen.

Zehn Polizisten Verletzt, der Präsident erklärt den Rücktritt, der Investor ist auf Tauchstation - der Traditionsklub kämpft um das Überleben.

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Am Tag nach dem schwarzen Dienstag für 1860 warteten alle gespannt auf die Reaktion von Ismaik.

Offen ist des Weiteren die Stadionfrage: Bis 2025 läuft der Mietvertrag mit dem FC Bayern weiter - auch im Abstiegsfall.

Vitor Pereira
Am Boden Vitor PereiraKrawalleSchlussSchaden

Ein Nachspiel werden für 1860 auch die Ausschreitungen von Fans während des Spiels haben. "Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert", urteilte er selbst vor dem verlorenen Endspiel.

Der wild zusammengekaufte Kader wird auseinanderfallen. "Wir waren nicht so zu 100 Prozent eine Mannschaft, wie man es sein sollte, wir haben nie zu 100 Prozent so auf dem Platz gestanden, wie man es sollte", erklärte Mittelfeldspieler Michael Liendl hinterher.

Klar ist: Der Deutsche Meister von 1966 ist am Tiefpunkt seiner bisherigen Vereinshistorie angekommen. Jetzt sind Profis, U21, U19, U17 und U16 allesamt abgestiegen, ein historischer Fünffach-Abstieg wurde Realität.

Als seine Spieler ihn in der Pressekonferenz mit Bier überschütten wollten, entschuldigte sich Jahn-Trainer Heiko Herrlich geradezu: "Die Spieler haben da kein Gefühl dafür". "Mir tut es im Herzen weh, was hier bei 1860 passiert", sagte der Ex-Nationalspieler. "Unter den Rahmenbedingungen ist es unglaublich schwer, hier zu arbeiten". "Leider habe ich in meinen kurzen acht Wochen eine Struktur vorgefunden, in der die Anteilseigner weder gemeinsame Interessen verfolgten, noch eine Vision für die Zukunft des Klubs hatten", sagte der Engländer in einer Stellungnahme, aus der mehrere Medien zitierten.

Nach der Niederlage gegen Regensburg hatte Trainer Vitor Pereira die sportliche Verantwortung für den Abstieg übernommen. "We go to the top", lautete sein Versprechen beim Amtsantritt im Winter.

Personell muss es definitiv einen radikalen Neubeginn geben, in der Führung als auch bei der Mannschaft. In der nun beendeten Saison hatten die Münchner mit ihrem Minus von rund sieben Millionen Euro die sechstschlechteste Transferbilanz in der erten und zweiten Bundesliga. Ismaiks Engagement sollte allen Klubverantwortlichen eine Warnung sein, die sich unbekannte Mächte ins Haus holen, weil sie eilig auf Geld angewiesen sind. Die 3. Liga startet am 21. Juli.

Der Sturz in die Drittklassigkeit wirkt sich für den TSV 1860 auch finanziell aus: Statt rund sechs Millionen Euro Fernsehgeld erhalten die Löwen künftig nur noch eine Million, außerdem entfällt die Garantiesumme vom Vermarkter Infront in Höhe von fünf Millionen Euro.

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