Unfallchirurgen: Erster Fachkurs für Terrorfall dpa, 19.05.2017 13:51 Uhr

Terror Chirurgie Schulung Bundeswehr Krankenhäuser Ärzte

In Zusammenarbeit mit der Bundeswehr organisierte die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) am Freitag im Uniklinikum Frankfurt erstmals einen Kurs, in dem Unfall-Mediziner aus dem ganzen Bundesgebiet Grundlagen der Terror- und Katastrophenchirurgie kennenlernten.

"Wir simulieren eine Mangelsituation", sagt Prof. Vereinbart wurden darin spezielle Formate für die Ausbildung bei einem "Massenanfall von Verletzten im Terrorfall", wie es in der Behördensprache offiziell heißt.

Dabei geht es auch um Geld - zum Beispiel für die Kosten der Kurse. Die Opfer tragen Explosionsverletzungen davon und bluten stark.

Zum anderen müssen sich Rettungsdienste und Klinikpersonal auf den Einsatz auf gefährlichem Terrain einstellen: die Rettung unter einer Gefahrenlage, akute Blutstillung, klinikinterne Abläufe und erhöhte Infektionsgefahren. "Und wir sind es gewohnt, mit reduzierten Mitteln zu arbeiten", sagte Oberstarzt Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus in Ulm.

Er verwies darauf, dass die Verletzten bei einem Anschlag - anders als bei einem zivilen Unglück - in der Regel in die nächstbeste Klinik kommen.

Wie behandle ich viele Menschen möglichst gut?

Im Zentrum des Kurses steht eine Simulationsübung in Form eines Spiels. Unter möglichst realitätsnahen Bedingungen trainieren die Teilnehmer ihre Entscheidungskompetenz in einer Terrorlage: Welcher Patient bekommt in welcher Reihenfolge welche Operation mit welchem Material.

Bei dem Kurs gehe es nicht um Panikmache, sondern die Vorbereitung auf den Ernstfall, sagt DGU-Generalsekretär Prof.

Thematisiert wurden unter anderem die Aktualisierung und Anpassung von Krankenhaus-Alarmplänen und klinischen Einsatzvorschriften im Terrorfall. "Die Vorhaltung eines Notfallkontingents an OP-Material und regelmäßige Übungen müssen möglich und finanziell abgesichert sein", lautet seine Forderung. "Dazu benötigen wir mehr Unterstützung von der Politik". Da Verletzungen nach Terroranschlägen vor allem durch schwere Blutungen bedrohlich sind, sind auch Mediziner der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) eingebunden.

Das angenommene Szenario: In einer Fußgängerzone einer deutschen Großstadt gibt es einen Terroranschlag, bei dem rund 120 Menschen verletzt werden.

Die Bundeswehr soll der Zivilmedizin nicht nur bei Fragen der Organisation weiterhelfen, sondern auch bei den Verletzungsmustern. Dagegen interessiere sich die Politik in Berlin wenig für die Initiativen der DGU, kritisiert der Unfallchirurg. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr verfügt wiederum über medizinische Kompetenzen in besonderen Gefahrenlagen, wie beispielsweise der Rettung unter Beschuss und der Versorgung von Schuss- und Explosionsverletzungen. Ein weiterer Grund für den Verdruss der DGU: Der Katastrophenschutz ist Sache der Bundesländer. Die DGU ist die erste medizinische Fachgesellschaft in Deutschland, die sich darum kümmert, das Wissen zur medizinischen Versorgung von Terroropfern nutzbar zu machen.

Die DGU hatte im September vergangenen Jahres zusammen mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr bereits einen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt.

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