Die documenta ist eröffnet

Parthenon der Bücher

Rund zwei Monate nach Athen öffnet die weltweit wohl bedeutendste Kunstausstellung am Samstag auch an ihrem Stammplatz in Kassel ihre Tore. "Die große Lektion hier ist, dass es keine Lektion gibt", machte Szymczyk unmissverständlich deutlich.

"Wir leben in einem Zeitalter der Unsicherheit", sagte der documenta-Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung.

Kassel werde zum "Hotspot der zeitgenössischen Kunst", erklärte Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) am Mittwoch. Die Ausstellung in der nordhessischen Stadt dauert hundert Tage. "Unsicherheit führt oft zu mehr Gewalt". Lydia Koniordou, die griechische Kulturministerin, dankte dafür, dass auch Athen in Zeiten der griechischen Krise Schauplatz der documenta ist. Das Kunstwerk hat laut documenta auch Bezüge zu Hiwa K.s Biografie: Der Künstler floh an Bord eines LKWs in übereinandergestapelten Baurohren aus dem Irak. Anstöße gab es sofort, noch vor den rund 2000 Journalisten: Der aus seiner Heimat geflohene syrische Geiger Ali Moraly spielte eine Auftragskomposition, die sich auf Paul Celans Todesfuge bezog. Auch das aus Holzresten grob zusammengezimmerte Rednerpodium stand als Kunstwerk symbolisch für Flucht und Vertreibung. Am Friedrichsplatz in der Innenstadt ist das "Parthenon der verbotenen Bücher" der argentinischen Künstlerin Marta Minujín zu sehen.

Die documenta erstreckt sich über Museen, Plätze und Parks, ein Kino und eine Unterführung sowie Hallen auf dem Uni-Gelände. Ein zentraler Ort die ehemalige Hauptpost in der Nordstadt, einem Problembezirk Kassels. Sogar ein eigenes Radioprogramm wurde für die documenta entwickelt.

Die Teilnehmerliste umfasst Namen aus vielen europäischen und noch mehr aussereuropäischen Ländern. Große Kunststars sind nicht dabei, viele Namen dürften in Deutschland wenig bekannt sein, vermitteln aber einen spannenden, nicht europazentrierten Blick auf die Weltkunst. Vor fünf Jahren sorgte er mit seiner Skulptur auf dem Turm der Sankt-Elisabeth-Kirche für Streit und wurde damit quasi zum populärsten documenta-Künstler des Jahres, ohne jemals von der documenta eingeladen worden zu sein. Bei der bis 17. September andauernden Kunstschau wird mit einem erneuten Besucherrekord gerechnet. In Athen ist die documenta noch bis 16. Juli zu sehen.

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