GB-WAHL/ROUNDUP/Niederlage für May: Tories verlieren laut BBC Regierungsmehrheit

Der Vorsitzende der britischen Labour-Partei Jeremy Corbyn

Die konservative Partei von Premierministerin Theresa May hat bei der britischen Unterhauswahl am Donnerstag ihre bisherige knappe absolute Mehrheit verloren. Demnach strebt May eine konservative Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) an, hieß es in britischen Medien. Man wolle Möglichkeiten zur Stabilisierung des Landes sondieren, sagte die DUP-Chefin Arlene Foster. "Ich denke, es wird sicher Kontakt über das Wochenende geben". Die DUP will die Verhandlungen mit den Konservativen nicht überstürzen. Die Liberaldemokraten gewinnen der BBC-Hochrechnung zufolge fünf Sitze hinzu und kommen nun auf 13. Bis Freitagmittag fehlte nur noch ein Wahlkreis: Kensington im Zentrum Londons war der letzte, der sein Ergebnis noch nicht vorgelegt hatte. Laut EU-Vertrag haben beide Seiten lediglich zwei Jahre Zeit, um sich auf die Konditionen des Austritts zu verständigen.

2010 hatten sich die Tories unter Mays Amtsvorgänger David Cameron mit den Liberaldemokraten zusammengetan. Bisher musste sie wegen der geringen Mehrheit der Konservativen im Parlament Rücksicht auf die Hinterbänkler in ihrer Partei nehmen, die einen immer härteren Brexit forderten.

Labour-Chef Jeremy Corbyn hat Premierministerin Theresa May angesichts der Zitterpartie bei der Parlamentswahl zum Rücktritt aufgefordert. Von den 650 Sitzen im Unterhaus gehen nach Auszählung der Stimmen für 647 Mandate 316 an die Konservativen und 261 an Labour. Sie müsse abtreten und Platz machen für eine "wirklich repräsentative Regierung". Corbyn macht sich als Parteirebell einen Namen, der nicht selten gegen die Anträge der eigenen Fraktion stimmt. Sie sei bei der Queen gewesen, so May - und die habe ihr den Auftrag erteilt, eine Regierung zu bilden.

Der Wahlausgang ist wichtig für die Austrittsgespräche mit Brüssel. In einem Gratulationsbrief an May drang er auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Brexit-Verhandlungen mit möglichst geringen Auswirkungen auf Bürger und Wirtschaft.

Bei der EU wächst die Ungeduld. Denn durch das Wahlchaos droht der ohnehin schon enge Brexit-Zeitplan durcheinander zu geraten, weil nun zunächst über die Regierungsbildung verhandelt werden muss, bevor die Gespräche mit der EU anlaufen können. "Wir warten also auf Besucher aus London". Erwartet wurde, dass der zweijährige Verhandlungszeitraum nicht eingehalten werden kann und dass die Briten von ihrer harten Brexit-Linie abrücken könnten. Ende März hatten die Briten den Scheidungsantrag eingereicht. Juncker zeigte sich nicht bereit, über eine Fristverlängerung zu reden.

Nach der Wahlschlappe von Premierministerin Theresa May ist ein harter Schnitt Großbritanniens mit der Europäischen Union (EU) Volkswirten zufolge vom Tisch. "Für die Verhandlungen wird es jetzt sehr spannend", erklärte er.

Nach Bekanntwerden der Prognosen verlor das britische Pfund zum Dollar bis zu 1,9 Prozent. Das Wahldesaster könnte nun ebenso folgenreich für die EU-Beziehungen werden wie die Brexit-Entscheidung selbst.

In Deutschland waren die Reaktionen auf die Wahl gemischt.

Nach Einschätzung von Clemens Fuest, Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, haben die Wahlen "die Ungewissheit, was die Brexit-Verhandlungen angeht, gesteigert". "Die hat sie nicht bekommen". Großbritannien müsste sich dafür aber weiterhin der europäischen Rechtsprechung beugen und sogar Beiträge für die Finanzierung der Gemeinschaft leisten.

Wenn May ihrem Land jetzt noch einen Dienst erweisen wolle, müsse sie ihren Kurs ändern, meint Jens-Peter Marquardt im Kommentar.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bezeichnete das Wahlergebnis als "schallende Ohrfeige" für Brexit-Befürworter. 326 wären für die absolute Mehrheit nötig gewesen. Doch das Land brauche Gewissheit - mehr als jemals zuvor, meint May.

Zu den Verlierern der Wahl gehört die EU-feindliche UK Independence Party (Ukip).

An den Aktienmärkten sorgte das Wahlergebnis für Erleichterung.

Einen "Exit vom Brexit" hält Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater allerdings für unwahrscheinlich. Der Dax ging mit einem Plus von 0,80 Prozent auf 12 815,72 Punkte aus dem Handel.

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