Zentralrat der Juden kritisiert ZDF, WDR und Arte

Julian Reichelt argumentiert mit „überragendem Interesse“ Bild veröffentlicht die umstrittene Antisemitismus-Doku die WDR und Arte unter Verschluss halten

Man prüfe intensiv, ob die Inhalte den journalistischen Standards des Senders entsprächen. Schuster hatte die Sender gebeten, ihre Entscheidung zu überdenken. (...) In der Dokumentation hatte es also in dreifacher Hinsicht wesentliche Änderungen gegeben, ohne dass Arte darüber informiert worden wäre. Warum formale Gründe aber die Ausstrahlung verhinderten, erschließe sich ihm nicht.

Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder hat die Entscheidung seines Senders verteidigt, eine vieldiskutierte Dokumentation über Antisemitismus in Europa nicht auszustrahlen. Darin wird der Antisemitismus unter anderem in Deutschland, Frankreich, im Gazastreifen und im Westjordanland nachgezeichnet - auch der von Muslimen. Darauf habe die Arte-Zentrale die betreuende Redaktion beim WDR hingewiesen, doch sei der Film dann im April dieses Jahres "ohne weitere Bearbeitung" geliefert worden.

Viele verdächtigen die Sender nun, den Film zurückzuhalten, weil es darin auch um den Judenhass von Linken und Islamisten geht.

"Es ist die Feigheit davor, sich mit dem wachsenden Antisemitismus auseinanderzusetzen, der die Wurzeln der deutschen wie der französischen Gesellschaft berührt".

Arte argumentiert im Kern, der Beitrag habe sein eigentliches Thema - Antisemitismus in Europa - verlassen und sich stattdessen auf die Situation im Nahen Osten konzentriert.

Der Fernsehsender Arte hatte die Ausstrahlung abgelehnt. So enthält der Film zahlreiche Ungenauigkeiten und Tatsachenbehauptungen, bei denen wir die Beleglage zunächst nachvollziehen müssen. "Beispielsweise wird ohne Quellenangabe angeführt, dass 'seriösen Schätzungen zufolge' EU, europäische Regierungen, europäische Kirchen sowie von der EU mitfinanzierte UN-Organisationen jährlich 100 Millionen Euro Steuergelder an politische NGOs überweisen, die überwiegend israelfeindliche Kampagnen betreiben". Sollten die Behauptungen und Informationen in der Doku sauber belegt werden können, habe man aber "selbstverständlich großes Interesse, die Dokumentation zu veröffentlichen", heißt es in einer Stellungnahme.

So rückt der WDR nicht nur von dem von Jochen Schroeder und Sophie Hafner produzierten Film mit massiven Vorwürfen ab, er stellt zugleich die betreuende Redakteurin in den Regen. Historiker wie Michael Wolffsohn und Götz Aly hatten die Dokumentation gelobt.

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